Die Prägung von Reichsmünzen mit dem bremischen Hoheitszeichen in der Münzstätte Hamburg
Von Konrad Schneider
Der Gründung des Deutschen Reiches folgte eine einheitliche Reichswährung auf Goldbasis, deren Standardwährungsmünze das auch Doppelkrone genannte goldene Zwanzigmarkstück war. Die gesetzliche Grundlage dieser Währung waren die Reichsmünzgesetze vom 4. Dezember 1871 und vom 9. Juli 1873 1 . Die alten Landesmünzen wurden eingezogen und umgeprägt. Das Reich betrieb selbst keine eigenen Münzstätten, sondern ließ in den bestehenden Münzstätten der Bundesstaaten prägen. Deren Anzahl hatte im Laufe des 19. Jahrhunderts deutlich abgenommen, weil sich der Betrieb von Prägeanstalten für die kleineren Bundesstaaten nicht mehr lohnte, so daß die der größeren für die anderen mitprägten. Lediglich in Hamburg kam es 1874/75 zur Neugründung einer Münze 2 .
Bremen hatte bereits Ende des 18. Jahrhunderts seine eigene Münzstätte geschlossen. Nach gelegentlichen Halbgrotenprägungen in Hamburg 1781 und 1820 ließ der Senat Silber- und Kupfermünzen von 1840 bis 1859 in der privaten Prägeanstalt von Martin Heinrich Wilkens in Bremen und anschließend in den Münzstätten Braunschweig und Hannover prägen 3 .
Die Reichsmünzgesetze gestatteten allen Bundesstaaten die Prägung von Nominalen zu zwei und fünf Mark in Silber — ab 1908 auch von Dreimarkstücken — und von Reichsgoldmünzen mit dem Porträt des jeweils regierenden Bundesfürsten oder den Wappen der freien Städte. Sämtliche Silbermünzen waren wie die Nominale aus unedlem Metall unterwertige Scheidemünzen. Privatleute und Unternehmen wie Banken durften gegen Erstattung der Kosten in den Münzstätten des Deutschen Reiches Zwanzigmarkstücke prägen lassen. Die Bundesstaaten ohne eigene Münzstätten gaben ihre Prägungen zumeist in Berlin in Auftrag, das nach der Prägequotenfestsetzung durch den Bundesrat mehr als die Hälfte aller Reichsmünzen prägte, aber gelegentlich auch in München.
1 Reichsgesetzblatt, 1871, S. 404—406; 1873, S. 223—240; Herbert Rittmann, Deutsche Geldgeschichte 1484—1914, München 1975, S. 763—778.
2 Zum Münzstättenschwund vgl. Hans-Dietrich Kahl, Hauptlinien der deutschen Münzgeschichte vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1878, Frankfurt 1972; Hubertus von Wegerer, Hundert Jahre Hamburgische Münze in der Norderstraße, in: 650 Jahre hamburgisches Münzwesen, Hamburg 1975, S. 22—28; Günter Pusbadc, Die Hamburger Münze von 1874 bis heute, in: Norddt. Jb. für Münzkunde und verwandte Gebiete, 1, 1979, S. 169—198.
3 Hermann Jungk, Die bremischen Münzen, Bremen 1875, S. 130 f.; Bremen hatte seit der Mitte des 18. Jh.s eine Goldwährung auf der Grundlage umlaufender Goldmünzen. Ebd., S. 91—105; Rittmann, S. 403—413.
103