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Band 60/61 (1982 - 1983)
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Der St.-Jakobi-Brunnen in Bremen

Von Herbert Schwarzwälder

Die folgende Darstellung über den ehemaligen Brunnen auf dem Jakobi- kirchhof beschäftigt sich nicht mit der Verehrung des Heiligen Jakobus im Mittelalter 1 , auch nicht mit dem Kunstwert der Figur, die auf dem Brunnen stand 2 . Nur soviel sei vorweg zum Verständnis gesagt: Es handelte sich um die Statue desJacobus major", eines Bruders des Evangelisten Johannes und Apostels in Pilgertracht mit breitkrempigem Hut und langem Mantel, mit Pilgerstab und Trinkflasche, nicht um einenJacobus minor", der eben­falls ein Apostel war. Untersucht werden soll die Geschichte des Brunnens.

Anlaß dazu war der Fund oder vielleicht auch die Wiederentdeckung einer alten Abbildung in einer Reisebeschreibung des englischen Schriftstellers Thomas Holcroft (17451809) 3 , der auf dem Wege von Hamburg nach Paris wahrscheinlich Ende Dezember 1800 vier Tage in Bremen war. Der Kupfer­stich wurde von einer Platte in der Größe 12,6 X 10,3 cm angefertigt. Er ist handwerklich und von mittlerer Qualität; die Darstellung ist romantisch auf­gefaßt. Die zeichnerische Vorlage von 1800 enthielt offenbar nur den Brunnen selbst, nicht aber seine Umgebung, die auf dem Bild ein Phantasie­produkt des Kupferstechers ist. Der Stich entstand auf Veranlassung des Londoner Verlegers Phillips 1803, als das Buch in Vorbereitung war. Holcroft äußerte sich selbst in folgender Weise zur Entstehung dieses Bildes 4 :The vignettes [gemeint sind die zahlreichen kleinen Kupferstiche im Text] are not indeed, like the Plates [dabei handelt es sich um große Kupferstiche mit Ansichten von Paris] after drawings made expressly for this work, that of the pilgrim [des St.-Jakobi-Brunnens in Bremen] excepted and seven others ..." Der Stich hatte also eine eigens für das Werk angefertigte Vor­lage. Die Auffassung, daß nur der Brunnen gezeichnet und die Umgebung als reine Erfindung hinzugefügt wurden, ergibt sich aus der Tatsache, daß dort, wo das Gebüsch sichtbar wird, in Wirklichkeit ein schmales Fachwerk­haus des 18. Jahrhunderts stand, während sich links die Reste der Jakobi- kirche und rechts weitere Häuser befanden.

1 Dazu: Bodo Heyne, Von den Hansestädten nach Santiago: Die große Wallfahrt des Mittelalters, in: Brem. Jb., Bd. 52, 1972, S. 6584; vgl. Acta Sanctorum Tom. V, Juli XXV: Jacobus Major.

2 Vgl. dazu Rudolf Stein, Romanische, gotische und Renaissance-Baukunst in Bremen, Bremen 1962, S. 205208.

3 Travels from Hamburg through Westphalia, Holland and the Netherlands to Paris, 2 Bde., London (Richard Phillips) 1804; die Vignette des Brunnens in Bd. I, S. 10.

4 Ebd., I, S. XVIII.

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