Die Geschichte der Obernkirchener Sandsteinbrüche
Ein wichtiges Kapitel in den Handelsbeziehungen der Stadt Bremen
Von Dieter Poestges
Im Jahre 1657 bestätigte die Stadt Amsterdam in einem Schreiben an den Bremer Rat den Erhalt von ca. 25 000 Kubikfuß „Breemer steenen" für den Bau ihres Rathauses 1 . Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß es sich hierbei um Sandstein aus den Brüchen in der Nähe der schaumburgi- schen Stadt Obernkirchen handelte, der im Ausland auch heute noch unter der Bezeichnung „Bremer Stein" bekannt ist, weil der Verkauf jahrhundertelang vorwiegend in den Händen Bremer Bürger gelegen hat-. Eine Darstellung der Geschichte der Obernkirchener Sandsteinbrüche dürfte daher gerade aus Bremer Sicht von Interesse sein, bietet sie doch über weite Strecken einen Einblick in die Bremer Handels- und Wirtschaftspolitik früherer Jahrhunderte.
Die seit dem Mittelalter bestehende große Nachfrage nach Sandstein aus den Bückebergen beruht auf der hohen Qualität des dort gewonnenen Materials; die Vorkommen bei Obernkirchen sind die bei weitem wertvollsten im gesamten nordwestdeutschen Raum. Ursache dafür ist einmal, daß dieses Gebiet sich gegen Ende des mittleren Erdzeitalters, im Wealden, unmittelbar am Meeresufer befand und der dortige Stein einen vergleichsweise geringen Anteil an Karbonaten und Sulfaten aufweist. Andererseits ist der Gehalt dieses quarzitischen Sandsteins aus feinem Korn an Kieselsäure außerordentlich hoch; aufgrund dessen besitzt er ein hohes Maß an Witterungsbeständigkeit. Hervorzuheben ist auch seine überdurchschnittliche Druckfestigkeit. Seine Lager sind bis zu 20 Metern mächtig. Das beim Abbau gewonnene Material besteht zu 50 °/o aus feinem Werkstein und zur anderen Hälfte aus minderwertigem Werkstein und Abfall. Diese Eigenschaften, verbunden mit der Tatsache, daß das Gestein in wenig gestörten Bänken und Schichten auftritt, sind die Gründe für die besondere Eignung des Sandsteins zu Hochbauten 3 .
1 Staatsarchiv Bremen, im folgenden zit. als StHB, 2 — W. 9. d. 1. Bd. 6.
2 Diedrich Steilen, Norddeutsche Grabmalkunst (= Abhh. u. Vortrr., hrsg. von der Bremer Wissenschaftlichen Gesellschaft, Jg. 11, H. 3/4), Bremen 1938, S. 32 f.
3 Dieter Poestges, Die Obernkirchener Sandsteinbrüche als Ausgangspunkt internationalen Handels, in; Zwischen London und Byzanz. Die geschichtlichen Territorien Niedersachsens in ihren Beziehungen zum Ausland (= Veröff. der niedersächs. Archivverwaltung, Beih. 23), Göttingen 1979, S. 143—152, ebd. S. 143 f.; dort weitere Literaturangaben. Dazu Rolf Krumsiek, Obernkirchen. Chronik einer alten Stadt, Obernkirchen 1981, S. 67 f.
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