Der bremische Eisbrechdampfer „Donar"
Von Christian Ostersehlte
Allgemeine Vorgeschichte: In der Zeit der Segelschiffahrt mußte die Hochseeschiffahrt im Winter meistens ruhen. Segelschiffe waren für die Fahrt im Eis kaum geeignet. Allenfalls die Walfangschiffe konnten dem Eis, wenn auch nur sehr begrenzt, widerstehen, jedoch nur passiv, denn aktiv gegen das Eis fahren und es zerbrechen konnten sie nicht. Auch die aus Walfängern entwickelten Polarexpeditionsschiffe, wie z. B. Nansens „Fram" (1893) 1 ) oder Scotts „Discovery" (1901) 2 ), die über Hilfsmaschinen verfügten, sind kaum als echte Eisbrecher zu bezeichnen. Eine Lösung bot sich erst mit der Einführung der Dampfschiffahrt an. Hier war zum erstenmal die Möglichkeit gegeben, daß ein Schiff stetig und aktiv gegen das Eis andampfen, es zerteilen und damit eine Rinne für nachfolgende Schiffe schaffen konnte. Aber nicht nur auf dem Gebiet des Antriebs, sondern auch auf dem der Schiffsform mußten neue Wege eingeschlagen werden. Die Einführung des eisernen Schiffsrumpfes bot vom Material her neue Möglichkeiten. 1837 wurde der Radschlepper „City Ice Boat No. 1" auf dem Hudson in New York als Eisbrecher eingesetzt 3 ). Ab 1842 fuhr der kanadische Schaufelrad-Passagierdampfer „Chief Justice Robinson", der eine Eisverstärkung besaß, auf dem Ontariosee 4 ). 1864 baute der Kronstädter Reeder Britnjew seine kleine Schraubenfähre „Pailot" zum Eisbrecher um 5 ). Im Jahre 1871 folgte schließlich die Einführung des Eisbrechwesens in Deutschland, als die „Eisbrecher I" von der Reiherstiegwerft in Hamburg an das hamburgische „Comitee für die
*) Das Polarschiff „Fram", hrsg. v. Museum Bygdoy/Oslo, Oslo o. J.; Otmar Schäuffelen, Die letzten großen Segelschiffe, Bielefeld 1977, S. 61.
2 ) HMS „Discovery", formerly Royal Research Ship „Discovery", now a drill ship of the Royal Naval Reserve, London o. J., Schäuffelen, S. 92.
3 ) William Melville, Der nördliche Seeweg, in: Stallings maritimes Jb., 1976/77, S. 36 ff.
4 ) James P. Barry, Ships of the Great Lakes, 300 years of navigation, Berkeley, California 1974, S. 60 f.
5 ) Melville, ebd.
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