Die stadtbremischen Kirchhöfe von der Reformation bis zur Franzosenzeit (1813)
Topographische Situation und Bestattungsüberlielerung Von Klaus Schwarz
Die Annexion Bremens durch Napoleon führte zu einem vollständigen Bruch im Bestattungswesen der Hansestadt. Bis dahin hatte es in der Hand der Kirchen gelegen, auf deren Boden man die Beisetzungen vornahm; nun wurde es Sache von Beerdigungsanstalten mit neuen Großfriedhöfen.
Der erste Teil dieser Arbeit enthält nach einem kurzen Rückblick auf das Mittelalter den Versuch, die wichtigsten Daten zu allen stadt- bremischen Begräbnisstätten von der Reformation bis 1813 zusammenzustellen. Darunter sind die Kirchhöfe und Kirchen in der Altstadt, der Neustadt und den Vorstädten zu verstehen. Nicht behandelt werden dagegen die Verhältnisse im bremischen Landgebiet, also auf den Dörfern. Hier bildete die Franzosenzeit keine Zäsur. Manche Kirchhöfe werden noch heute an derselben Stelle genutzt, an der sie im Mittelalter angelegt wurden, so daß sich kaum topographische Probleme ergeben. Die Uberlieferung über die Bestattungen auf dem Lande ist zudem so dürftig, daß sich auch deswegen eine Einbeziehung nicht lohnt.
Im zweiten Teil geht es nicht um eine vollständige Aufzählung oder gar systematische Auswertung der Quellen zur Geschichte der Bestattungen, sondern um eine Einführung in diese. Sie soll dem Forscher, der für seine Fragestellung nur Teile der Überlieferung heranziehen muß, deren Einordnung in größere Zusammenhänge erleichtern. Auch scheint es nützlich, einige häufig wiederkehrende Begriffe und Vorgänge zu erläutern. Nicht jeder Genealoge wird auf Anhieb wissen, was ein verweinkauftes Grab war, nicht jeder Religionswissenschaftler sich den Ablauf einer Parentation im alten Bremen vorstellen können. Dieser Teil beschränkt sich auf den Zeitraum vom 17. Jahrhundert bis zur Franzosenzeit, da vorher die Überlieferung so spärlich ist, daß sie kaum Ansätze für familien-, bevölkerungs- und sozialgeschichtliche Studien bietet.
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