Jahrgang 
Band 57 (1979)
Seite
255
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Die neu entdeckte Holzdecke von 1580 im Haus Heineken

Von Rolf Gramatzki

Im Juli 1979 erlebten Bremens Denkmalpfleger Dr. Hans-Christoph Hoffmann und mit ihm ein kunsthistorisch interessiertes Publikum eine Überraschung, die man als kleine Sensation werten kann. Im Haus Heineken, Sandstr. 3 1 ), dem Sitz des Landesamtes für Denkmal­pflege, wurde bei notwendig werdenden Ausbau- und Restaurierungs­arbeiten im hinteren, der Violenstraße zugewandten Teil des Gebäu­des eine bemalte und auf 1580 datierte Holzdecke gefunden 2 ). Während das bisherige kunsthistorische Interesse dem nach 1744 vom Rats­syndikus Dr. Everhard Otto erbauten vorderen Hauptteil des Gebäu­des galt, das später Bürgermeister Dr. Christian Abraham Heineken bewohnte, verlagert es sich jetzt auf den noch im 16. Jahrhundert ent­standenen rückwärtigen Trakt. Es gilt einer Malerei, wie sie in Qualität und Reichtum ihres ikonographischen Programmes in Bremen bei vergleichbaren Deckenbemalungen bisher nicht anzutreffen war.

Als eine Untersuchung der Balken notwendig wurde, die die stark Abb. 2 beschädigte Decke von 1744 hielten, entdeckte man eine über diese Balken gelegte Bretterdecke, die vollständig bemalt ist. Inzwischen ist die Barockdecke des kleinen, zu ebener Erde gelegenen, ehemaligen Gartensaales abgetragen. Sechs große Deckenbalken durchziehen ihn. Sie bilden fünf über den ganzen Raum sich erstreckende Felder, die die Hauptteile der Malerei tragen. Ein verbleibender schmalerer Strei­fen an der Rückwand des Saales weist in der Mitte ein durch Balken ausgespartes und auch nicht bemaltes Deckenteil auf. An der darunter­liegenden Wand befand sich ein Kamin aus der Zeit des Umbaues von 1744. Die Malerei rechts und links der Aussparung läßt vermuten, daß an dieser Stelle auch schon vorher ein Kämin eingebaut war.

') Rudolf Stein, Bremer Barock und Rokoko, Bremen 1960 (Forschungen z. Gesch. d. Bau- u. Kunstdenkmäler in Bremen, Bd. 3), S. 304; Hans-Chri­stoph Hoff mann, Die Denkmalpflege in der Freien Hansestadt Bremen 1971 bis 1977, in: Brem. Jb., Bd. 56, 1978, S. 261 ff.

2 ) Weser-Kurier, 21. 7. 1979.

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