Jahrgang 
Band 57 (1979)
Seite
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Bremer Reihenhäuser in vor- und frühindustrieller Zeit

Forschungsprobleme der Wohnungsbaugeschichte Von Klaus Schwarz

Das Einfamilienreihenhaus 1 ) findet sich heute als beliebtes Element der geschlossenen Bebauungsweise in fast allen größeren Städten der Bundesrepublik, nicht selten auch im Umland solcher Ballungsgebiete. Bei ihm wird das Grundstück in voller Breite genutzt, so daß es klein gehalten werden kann. Das bringt ebenso eine Verbilligung mit sich wie der Einbau genormter Fertigteile und die Einsparung von Architekten- und Zeichnerarbeit und Transportkosten. An manchen Stellen hat sich das moderne Reihenhaus zahlenmäßig gegenüber dem einzelstehenden Wohngebäude so sehr in den Vordergrund geschoben, daß man die wenigen älteren Vorläufer kaum noch wahrnimmt und geneigt sein kann, es als eine Neuschöpfung unseres Jahrhunderts anzusehen. Dieser Fehlschluß ist in Bremen nicht möglich, denn große Teile dieser Stadt sind besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts so geschlossen mit Reihenhäusern bebaut worden, daß das Straßenbild trotz aller Kriegszerstörungen, Neu- und Umbauten noch heute von ihnen beherrscht wird. Auch bevor es zu einer fabrik-

Anregung zu diesem Aufsatz bot das ThemaWohnen im Wandel" des Schülerwettbewerbs Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten für das Jahr 1979. Hier soll versucht werden, sowohl die gegenwärtige Frage­stellung der Forschung wie die in Bremen für die Beantwortung bereitstehen­den Quellen zu veranschaulichen, nicht aber, abgeschlossene Ergebnisse vor­zulegen. Für die Herstellung der Reproduktionen habe ich Herrn Junker und Frau Kreutzgrabe vom Staatsarchiv Bremen sehr zu danken.

') Die Studie bezieht sich nur auf das für die Benutzung durch eine Familie projektierte Reihenhaus und nicht auf alle in einer Reihe also nicht einzeln stehenden Häuser. Da die engere Bedeutung heute im Sprach­gebrauch herrschend geworden ist, wird im folgenden nicht stets darauf hingewiesen. Man kann den Wandel förmlich an den Lexika ablesen. Der Große Brockhaus enthält den Begriff in der 15. Aufl. 1933 noch nicht; in der 16. von 1956 stellt er Reihenhäuser als Elemente städtischer Baublöcke in den Vordergrund; in die 17. Aufl. von 1972 sind erstmals Zeichnungen aufgenommen, die ausschließlidi Kleintypen zeigen.

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