Die Fahrtgebiete der Bremer Reederei im Ausgang des 18. Jahrhunderts
Quellen zur bremischen Verkehrsgeschichte Von Hartmut Müller
„Der Handel lief im großen und ganzen noch in den alten Bahnen. Bremische Schiffe suchten vor allem England und Frankreich auf." Mit diesen Sätzen skizziert Herbert Schwarzwälder in seiner „Geschichte der Freien Hansestadt Bremen" 1 ) die Grundzüge des bremischen Außenhandels während der Jahre 1764 bis 1789. Im grundsätzlichen folgt er hiermit der Darstellung Hans Jürgen von Witzendorffs aus dem Jahre 1951 2 ). Dieser wiederum basiert im wesentlichen auf den Kenntnissen, die bereits Friedrich Rauers 1913 über Bremens Handelsgeschichte vor dem Beginn der öffentlichen administrativen Statistik publiziert hatte 3 ).
Der Vorgang ist symptomatisch für die ältere bremische Wirtschaftsgeschichte. Die Ursachen liegen in der schwierigen Quellensituation begründet. Seitdem Rauers und von Witzendorff erkannt hatten, daß für den Importhandel und den einkommenden Seeverkehr zwar die Schlachteangabebücher vorliegen 4 ), für den Exporthandel und den ausgehenden Seeverkehr sowie für den gesamten Binnenhandel jedoch vergleichbares statistisches Dokumentationsmaterial völlig fehlt 5 ), hat sich Resignation und Stagnation in der Forschung breitgemacht und zu einer Festschreibung bisher vorhandener Geschichtsbilder geführt.
Ohne Einbeziehung der Gegenüberlieferung, d. h. ohne eine Auswertung der statistischen Quellen, die in vielen europäischen Hafen-
») Bd. 1, Bremen 1975, S. 490.
2 ) Hans Jürgen von Witzendorff, Beiträge zur bremischen Handelsgeschichte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Brem. Jb., Bd. 43, 1951, S. 342 ff.
3 ) Friedrich Rauers, Bremer Handelsgeschichte im 19. Jahrhundert, Bremen 1913.
4 ) Angabebücher der auf der Weser für Bremen ankommenden Schiffe 1738 bis 1839, StA Bremen 2 — Ss. 2. a. 4. f. 1.
5 ) Witzendorff, S. 344.
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