Die Deutsche Südseephosphat-Aktiengesellschaft
Bremen
Von Anneliese Scharpenberg Eingeleitet und überarbeitet von Hartmut Müller
Im Wintersemester 1943/44 nahm die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster eine Arbeit der Diplomvolkswirtin Anneliese Scharpenberg über „Die Bedeutung des Norddeutschen Lloyd für die wirtschaftliche Erschließung der deutschen Südseekolonien unter besonderer Berücksichtigung der Deutschen Südseephosphat-Aktiengesellschaft Bremen" als Dissertation an, mit der diese am 29. Februar 1944 zum Dr. rer. pol. promovierte.
Entstanden war diese Dissertation auf Anregung des Leiters der Staatlichen Forschungsstelle für Kolonialwirtschaft in Bremen, Professor Dr. Müller-Armack, und des damaligen Direktors des Bremer Staatsarchivs, Dr. Friedrich Prüser, die beide im Verlauf der späten dreißiger und beginnenden vierziger Jahre besondere Initiativen zur Erforschung der bremischen Übersee- und Kolonialgeschichte entwickelt hatten.
Ging es dem einen mehr um die Erfassung, Sicherung, Erschließung und Auswertung privaten Schriftguts zur bremischen Wirtschaftsgeschichte, so lagen die Intensionen des anderen stärker in aktuellen kolonialpolitischen Zielsetzungen.
Beider Bemühungen gehörten im weiteren Zusammenhang jedoch in den Planungsrahmen des Kolonialpolitischen Amts in der Reichsleitung der NSDAP, in das Werben um ein neues koloniales Gedankengut, das in dem Rechtsanspruch auf Kolonien seinen wesentlichen Inhalt hatte.
Die koloniale Idee war im Bremen der Weimarer Republik nie ganz aus dem Gedankengut nationaler und vaterländischer, besonders in der Kaufmannschaft angesiedelter Kreise geschwunden. Der „Versail- ler Kolonialraub" und der damit verbundene Verlust des überseeischen Besitzes vieler Bremer Kaufleute hatte, verstärkt durch die nur zögernden und ungenügenden Reichsentschädigungen, Emotionen wachgehalten, die leicht zum Nährboden nationalsozialistischer Kolonialpläne werden konnten.
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