Jahrgang 
54. Band (1976)
Seite
245
Einzelbild herunterladen
 

Bremen im Oktober 1802 Tagebuchaufzeichnungen Ferdinand Benekes

Mitgeteilt von Renate Hauschild-Thiessen

Die folgenden Tagebuchaufzeichnungen hat ein gebürtiger Bremer verfaßt, dem das Unglück widerfahren war, in Hamburg leben zu müssen: Ferdinand Beneke 1 ).

Bremen ist meine Vaterstadt, und der erste August 1774 ist mein Geburtstag", so schrieb er im Vorwort zu seinen Tagebüchern, die, vom 16. Juni 1792 an geführt, heute im Staatsarchiv Hamburg verwahrt wer­den 2 ).Mein Vater, (ein geborener Hamburger), heißt Johann Chri­stoph Beneke, meiner Mutter Geburtsnahme ist Justine Dorothea Elisa­beth Frederking und ihre Vaterstadt Minden in Westphalen. Mein Vater war ein eben so angesehener als redlicher Handelsmann und sein Haus einst Eins der wichtigsten dieser Freyen Seestadt. Er war es, leider. Denn der Amerikanische Krieg und diese glänzende Periode wurden fast zugleich beendigt. Meines Vaters Haus nebst so vielen andern hörte auf zu seyn was es war. Meine ersten Ansprüche auf irdisches Glück waren also ziemlich groß, und gemäß diesen meine erste Erziehung. Indeß auch nach jener traurigen Epoche thaten meine guten Eltern an mir alles, was sie wußten und konnten. Biß in mein fünfzehntes Jahr genoß ich ihrer ziemlich natürlichen und besonders acht moralischen Erziehung, des Unterrichts eines Hauslehrers, hernach des auf dem dortigen lutherischen Gymnasium und anderer Privat­lehrer. Unter meinen Lehrern sind mir vorzüglich die Nahmen: Einecke, Bertholdi, Bredenkamp und mehrere andere sehr lieb und werth. Meinen Eltern und Lehrern Ehren- und Danksäulen zu setzen, dazu ist hier nicht der Ort. Die steten Unfälle meines Vaters pp. gaben meinem Charakter den ersten Anstrich von Schwermuth. Indessen gab eine (zwar nicht ganz vollkommen gelehrte und philanthropische, aber doch auch unpedantische und) gesunde Erziehung meinem Verstände eine

*) üb. ihn vgl.: F. Georg Buek, Die Hamburg. Oberalten, Hamburg 1857, S. 387 ff.; Hans Schröder u. a., Lex. der hamburg. Schriftsteller bis zur Ge­genwart, Hamburg 1851 ff., Bd. 1, Nr. 258; Allg. Dt. Biogr., Leipzig 1875 ff., Bd. 2, S. 327; Rudolf Kayser, Die Oberalten, Hamburg 1928, S. 97 ff.

'-) Staatsarchiv Hamburg, Familie Beneke, C 2: Tagebücher Ferdinand Bene­kes, 17921848.

245