„Sehebrieffe wieder die Duinkircher" —
Ein Verzeichnis der Bremer Seeschiffer aus dem Jahre 1635
Von Hartmut Müller
Eine unlängst bei Ordnungsarbeiten im Staatsarchiv Bremen aufgefundene Eingabe an den Rat der Stadt Bremen enthält die Unterschriften aller 1635 zur See fahrenden Bremer Schiffer. 1 ) Sie ermöglicht damit einen weiteren Schritt hin zur statistischen Erfassung und Beschreibung der bremischen Seereederei im 17. Jahrhundert, die gerade für die Zeit von 1630 bis 1650 eine bisher offene Lücke aufwies. 2 )
1635 dürfte demnach die bremische Seereederei ca. 52 Schiffseinheiten umfaßt haben. 1629/30 waren es noch ca. 80 gewesen. Inzwischen hatte sich jedoch die politische und militärische Lage auf See erheblich verschlechtert. 1635 war Frankreich gegen Spanien in den Dreißigjährigen Krieg eingetreten. Der Seekrieg Spaniens gegen die Niederlande und England dauerte an. Das waren keine guten Voraussetzungen für Bremens Reederei, die überwiegend im niederländischen Seeraum eingesetzt war. Wie groß man die permanente Gefahr einschätzte, trotz der Neutralität der Hansestadt aufgebracht und als Prise genommen zu werden, zeigt die Eingabe der bremischen Seeschiffer deutlich.
Man kann davon ausgehen, daß der Niedergang der bremischen Seereederei, die um 1660 ihren Tiefpunkt erreichte, um 1635 eingesetzt hatte. Bremens Reederei vermochte in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges trotz ihrer Neutralität keinen wirtschaftlichen Nutzen aus den Kriegswirren zu ziehen. Sie hat während der dreißiger bis sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts nur eine Flotte von nicht mehr als 50 bis 60 Schiffseinheiten besessen.
1 ) STAB, 2 — R. 11. p. 1. Bd. 1.
2 ) Vgl. Hartmut Müller, Unterss. z. brem. Reederei im 17. Jh., in: Brem. Jb. Bd. 53, 1975, S. 108 f.
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