Bremens öffentlicher Personennahverkehr im 19. Jahrhundert
Von Rolf Martens
Anläßlich des hundertjährigen Jubiläums der Bremer Straßenbahn schien der Versuch geboten, die Ursprünge des öffentlichen Nahverkehrs in Bremen aufzuspüren und darzustellen, wobei allerdings nicht nur die schienengebundene Pferdebahn berücksichtigt werden durfte. Schließlich hatte öffentlicher Nahverkehr in Stadtnähe, z. T. sogar in der Stadt selbst, schon mehrere Jahrzehnte vor 1876 existiert, wenn auch der Umfang, verglichen mit der Pferdebahnzeit, ein nur sehr bescheidener gewesen ist.
öffentlicher Nahverkehr ist an drei Voraussetzungen geknüpft: 1. er muß jedermann gegen Zahlung eines Fahrpreises zur Verfügung stehen; 2. er muß plan- und regelmäßig erfolgen; 3. er ist an eine festliegende Strecke (eine „Linie") gebunden. Letzteres ist natürlich bei einem schienengebundenen Fahrzeug durch das Gleis sowieso der Fall, es muß aber auch für andere Straßenfahrzeuge zutreffen, wenn von „Linienwagen" bzw. „Linienfahrt" gesprochen werden soll 1 ).
Den Bremer Bürgern stand ein solches Verkehrsmittel im Landgebiet erstmalig 1842 zur Verfügung, und sogar innerhalb der Stadt ist schon 1845 ein kurzfristiger Versuch unternommen worden 2 ). Damit lag der zeitliche Rahmen der vorliegenden Untersuchung fest; denn sie hatte die folgenden sechs Jahrzehnte bis 1900 zu umfassen, da dieses Jahr in Bremen das Ende derjenigen Epoche bedeutete, die vornehmlich von der gewohnten animalischen Zugkraft im Nahverkehr bestimmt war. Bezeichnenderweise stellte auch die letzte Linienfahrt im Jahre 1898 ihren Betrieb ein, und der Pferdeomnibus verschwand damit endgültig von den Straßen. Zwar hatte schon das letzte Jahrzehnt ab 1890 maschinengetriebene Fahrzeuge erlebt, und dem Bremer war die elektrische Straßenbahn seit 1892 fester Bestandteil städtischen Lebens, doch erst der Zusammenschluß der beiden Bahnsysteme zur neuen Bremer Straßenbahn (1899) brachte die vollständige Elektrifizierung, und damit war der Weg zum modernen Massenverkehrsmittel Straßenbahn in Bremen frei.
Der Begriff „Linienwagen" erscheint in einer Bekanntmachung d. Polizeidir. v. 17. 5. 1845 (Slg. d. Verordnungen u. Proklame d. Sen. d. freien Hansestadt Bremen [Slg. d. VO], 1845, S. 17). 2 ) Vgl. S. 74.
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