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52. Band (1972)
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Ein bremischer Akelei-Pokal aus dem Frühbarock

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Ein bremischer Akelei-Pokal aus dem Frühbarock

Von Werner Kloos

Die einstige Bedeutung der bremischen Gold- und Silberschmiedekunst ist in der Hauptsache nur noch aus Chroniken, Inventaren und Akten abzu­lesen. Focke, Grohne, Dettmann und Schröder haben den Nachweis geführt, daß nicht nur Kriegsnöte und handelspolitische Verhältnisse dasVersil­bern" des öffentlichen und privaten Besitzes erzwungen haben, sondern auch Gleichgültigkeit und Unverstand daran Anteil haben. Das stolze Ratssilber, erst im frühen 17. Jahrhundert in Bremens goldenen Jahren angeschafft, wanderte 1693 fast vollständig in den Schmelztiegel. Die Silberschätze der Kaufmannschaft im Schütting und im Krameramtshaus, deren alte Verzeich­nisse noch einen Abglanz des Reichtums geben, wurden verkauft. Der größte Teil der silbernen Geräte desHauses Seefahrt" wurde 1701 gestohlen und der Rest im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts veräußert. Das Ende der alten Zunftherrlichkeit im 19. Jahrhundert brachte den schweren Verlust der Insignien und des Silbers der Ämter mit sich. Ähnliche Schicksale haben auch den Privatbesitz betroffen. Oft haben die wirtschaftlichen Umstände, die mit dem Risiko des Uberseehandels verbunden sind, den Kaufmann oder den Reeder gezwungen, sich vor allem derjenigen Objekte zuerst zu ent­äußern, die am leichtesten zu Geld zu machen waren. Der durch Stadtmarke (oder Beschau) stets garantierte Silberwert erleichterte die Vermünzung. Der Kunstwert wurde dabei leider nur gering geachtet.

So erhielt sich in der Freien Hansestadt die ohnehin nie so reich an Gold­schmieden war wie Hamburg oder Lübeck, ganz zu schweigen von Nürnberg oder Augsburg, nur noch ein Abglanz der ehemaligen Leistungen seiner Mei­ster. Ihre Werke waren ehemals bis nach Bergen und Archangelsk exportiert worden. Darum haben bremische Privatsammler und vor allem auch das Focke-Museum stets nach Goldschmiedearbeiten ihrer Stadt Ausschau gehal­ten. Sie haben dabei feststellen müssen, daß mit dem Bremer Schlüssel ge­marktes Silber nur höchst selten auf dem Kunstmarkt erscheint und als Rarität auch teuer bezahlt werden muß. Grohne gelang 1926 die Rückgewin­nung eines Prachtpokals aus ehemaligem zünftigem Gebrauch, desWill­komms" des bremischen Glaseramtes, den der Goldschmied Peter Code 1670 für die Glaser schuf, die damals das hundertjährige Bestehen ihrer Zunft­privilegien feierten. Nach und nach konnten, trotz der immer sehr beschränk­ten Ankaufsmittel des Focke-Museums, doch noch weitere vorzügliche Arbei­ten bremischer Meister erworben werden, die in absehbarer Zeit in einer Sonderausstellung vorgestellt werden sollen. So war es möglich, manchen bisher nur aus den Zunftrollen bekannten Meisternamen mit einem Erzeugnis seiner Hand zu verbinden sowie die Liste von Goldschmieden zu erweitern. Eine Anzahl vorzüglicher Handwerker sind bisher nur durch ihre Marken (Initialen oder auch Zeichen) bekannt, darunter der bedeutendeMeister mit der Lilie" aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, von dem zwei sehr schöne Becher erworben werden konnten.

Auf diesen mit Beharrlichkeit erstrebten, jedoch oft von Zufällen abhängi­gen und auch begünstigten Zuwachs soll die Goldschmiedearbeit hin­weisen, die erst kürzlich erworben wurde und deren Würdigung diesem Jahr-