Porträts bremischer Kaufleute
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Porträts bremischer Kaufleute Gedanken über eine bremische Unternehmer-Ikonographie
Von Wilhelm Treue
Uber das Porträt gibt es naturgemäß eine sehr umfangreiche Literatur — sowohl über die Dargestellten wie über die Maler, Bildhauer, Medailleure, Graphiker, Gemmenschneider und Photographen. Mit dem Unternehmerporträt dagegen als einer Sondergruppe des breiten Gesamtgebietes beschäftigt man sich erst seit einigen Jahren — nicht einmal so lange wie mit der modernen Unternehmerbiographie. Und während in der „Neuen Deutschen Biographie" ein großartiges biographisches Grundlagen- und Nachschlagewerk entsteht, das heute bereits sechs Bände umfaßt, schließlich auf etwa 25 Bände anwachsen (von den alsbald notwendigen Ergänzungsbänden noch abgesehen) und dann gewiß nicht weniger als 25 000 Biographien sowie ein Mehrfaches davon an genealogischen Hinweisen enthalten wird, während, wo immer es möglich ist, in diesen Biographien außer auf Literatur auch auf Porträts der Beschriebenen hingewiesen wird, während schließlich von diesen rund 25 000 Biographien am Ende etwa 20 % = 5000 deutschen Unternehmern seit den ersten Anfängen bis in die allerjüngste Vergangenheit gewidmet sein werden, gibt es nirgendwo einen Ansatz zu einer deutschen oder auch nur zu einer rheinischen, hessischen, Berliner, hamburgischen oder bremischen Unternehmer-Ikonographie. Wir haben kunstgeschichtliche Institute und Landesbildstellen; aber sie alle beschäftigen sich nicht mit der systematischen Sammlung von Nachweisen oder gar von Photos und Dias von Unternehmerporträts etwa ganz Deutschlands, einer Landschaft oder eines Wirtschaftszweiges. Das ist in einer Zeit, in der die Wirtschaft als Trägerin von Wohlstand und Fortschritt hohes Ansehen genießt, das Unternehmertum mit gutem Grund ein erhebliches Selbstbewußtsein an den Tag legt und seine lange Tradition nicht weniger betont als seine Bedeutung für Gegenwart und Zukunft, in der es freiwillig und zielbewußt für viele kulturelle Aufgaben große finanzielle Leistungen aufbringt, eine erstaunliche Tatsache, die allerdings weniger auf Mangel an gutem Willen und Einsicht schließen läßt als darauf, daß Wirtschafts-, Sozial- und Kulturhistoriker die Bedeutung des Unternehmerporträts für ihre Forschung und für die