Jahrgang 
50. Band (1965)
Seite
303
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Bremens Bedeutung für die deutsch-japanischen Beziehungen 303

IX

Die Bedeutung Bremens für die frühen deutsch-japanischen Beziehungen

Von Georg Kerst I.

Das Industriegebiet an Wupper, Ruhr, Emscher, Lippe und Rhein begann sich in der Mitte des vorigen Jahrhunderts kräftiger zu ent­falten und auch Auslandsmärkte für seine Waren zu suchen. Dies wirkte sich auf den Außenhandel und die Schiffahrt in den Hanse­städten fördernd aus. Der entscheidende Aufschwung der deutschen Schiffahrt nach langem Darniederliegen war kurz nach der Verselb­ständigung der spanischen und portugiesischen Kolonien in Mittel- und Südamerika erfolgt. Die günstige Entwicklung des deutschen Handels mit vielen Teilen der Welt stand indessen im Gegensatz zu der politischen Ohnmacht Deutschlands. Seine größeren oder kleineren Teilstaaten waren auf ihre eigene schwache Kraft angewiesen, wenn auch das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit sie verband. Die deutschen Kaufleute, insbesondere die der Hansestädte, mußten sehr oft den Schutz fremder Flaggen erbitten, mit allen damit verbundenen Erschwernissen und Bitterkeiten. Dies machte sich auch bei den Be­ziehungen bemerkbar, die die Hansestadt Bremen nach der beginnen­den Einfügung Japans in den Weltverkehr aufzunehmen sich bemühte.

II.

Unter amerikanischer Flagge erschien die deutsche BriggGreta" am 18. Mai 1855 in Hakodate und am 4. Juli 1855 in Simoda 1 ). Diese Brigg gehörte der deutschen Firma W. Pustau & Co., gegründet im Jahre 1845 von Wilhelm von Pustau aus Altona 2 ). Der Supercargo war seit April 1855 Fr. Aug. Lühdorf aus Bremen. Gemeinsam mit

') Fr. Aug. Lühdorf, Supercargo der BriggGreta": Acht Monate in Japan nach Abschluß des Vertrages von Kanagawa. Bremen 1857, Heinrich Strack.

2 ) Ostasiatischer Verein Hamburg-Bremen zum 60jährigen Bestehen, Ham­burg 1960, S. 47, 61 ff.