Bremer Silbcrmarken als Zahlungsmittel im Spätmittelalter
135
V
Bremer Silbermarken als Zahlungsmittel im Spätmittelalter
Von Rudolf Dehnke*)
Allgemeine Einführung
Die Bremer Silbermarken sind die ältesten von der Stadt selbst herausgegebenen Zahlungsmittel gewesen. Dieses erste Geld war schon weiträumig verbreitet und beliebt, lange bevor sie das Recht zum Prägen von Münzen erhielt.
Vorausgeschickt sei ein Hinweis, daß eine Silbermark im späten Mittelalter ein Zahlungsmittel von erheblicher Kaufkraft war und in keiner Weise etwa mit unserer heutigen D-Mark gleichzusetzen ist. Die heute landläufige Meinung kommt in einem Zeitungsaufsatz jüngster Zeit zum Ausdruck: „Wer alte Urkunden studiert, ist immer wieder überrascht, zu sehen, wie niedrig doch, nach unseren Begriffen, das Geld im Kurs stand. So verkaufte die Benediktinerabtei Laach im Jahre 1241 an die Prämonstratenserabtei Rommersdorf bei Neuwied 103 Morgen ihres besten, fruchtbaren Ackerlandes für nur 200 kölnische Mark. Sie wurden zum Kernbesitz von Rommersdorf und tragen heute noch die Bezeichnung ,die hundert Morgen'." Tatsächlich kommt aber in diesem Kaufpreis von 200 Silbermark für 103 Morgen besten Ackerlandes gerade die Hochwertigkeit des damaligen Geldes zum Ausdruck. Wenn wir den heutigen Wert eines Morgens besten Ackerlandes zu rund 2500 bis 3000 DM rechnen, ergibt sich für die kölnische Mark von 1241 ein Wert von etwa 1250 bis 1550 DM unserer Tage. Die Silbermarken waren also Großgeld, das in einer Zeit, als es noch kein Bankwesen gab, für Grundstückskäufe sowie für den Groß- und Fernhandel von ausschlaggebender Bedeutung gewesen ist.
Wie kam es nun zur Herausgabe solcher Silbermarken durch die Stadt Bremen, ehe sie selbst das Münzrecht besaß? Bevor wir diese Frage beant-
*) Der Verfasser dieses Beitrages bearbeitet seit der Bergung von zwei großen Silberbarrenfunden in Peine während der Jahre 1954 und 1956 den Problcmkreis des spätmittelalterlichen Barrensilbers und bereitet eine Monographie über diesen Gegenstand vor. Die hier dargebotene Behandlung der Bremer Silbermarken ist ein Auszug aus den umfassenden Ergebnissen der größeren Arbeit, und daher müssen manche Beweismöglichkeiten der späteren Monographie überlassen bleiben. Schon eingangs wird unter diesen Umständen um Nachsicht gebeten, daß gelegentlich eine Frage mit dem Hinweis auf Forschungsergebnisse aus jenen Untersuchungen beantwortet wird. Trotz dieser Einschränkung glaubte der Verfasser, die Bitte des Herausgebers auf Behandlung der frühen Bremer Silbermarken im Rahmen dieser Festschrift erfüllen zu sollen.