Neue Beiträge zum Fund der Bremer Kogge
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III
Neue Beiträge zum Fund der Bremer Kogge 1
Zu der Geschichte des Fundes, seiner Bergung und wissenschaftlichen Betreuung
Von Rosemarie Weber
Die zwei unmittelbar von der um 1400 errungenen Machtstellung unserer Hansestadt kündenden Denkmäler, der steinerne Roland auf dem Marktplatz, der dort an Stelle der 1366 verbrannten Holzstatue erstellt wurde, und das 1405—1407 erbaute Rathaus, wurden unlängst durch ein drittes Zeugnis jener Zeit bereichert, nämlich den Fund einer mittelalterlichen Hansekogge. Dieses Geschenk des Zufalls darf man insofern als sinnvolle Ergänzung solcher monumentalen Geschichtsdokumentation verstehen, als wir hiermit erstmalig eines der Großschiffe kennenlernen, mit denen der bremische Fernhandel jenen Aufschwung nahm, der die Voraussetzung eines gesteigerten bürgerlichen Wohlstandes und Selbstbewußtseins war.
Die Einmaligkeit dieses Schiffsfundes, seine Bedeutung für Bremen wie auch für die gesamte mittelalterliche Schiffahrtsgeschichte, vor allem aber die wissenschaftliche Pionierarbeit im Zuge der Bergung, Datierung und Konservierung der Hölzer rechtfertigen schon jetzt, bevor der Wiederaufbau der Kogge begonnen ist, einen kurzen fundgeschichtlichen Uberblick.
Pionierarbeit mußte bereits bei der Bergung im Oktober 1962 geleistet werden, als bei der Abbaggerung eines Uferstreifens gegenüber dem Bremer Europahafen, auf einer noch 75 Meter in den Strom ragenden restlichen Landzunge, das Schiff, das heißt, besser gesagt, nur ein Teil seiner Backbordwand, sichtbar wurde. Galt es hier doch einen den Naturgewalten von Ebbe und Flut ausgesetzten, größtenteils unter Wasser noch in Sand und Kleimassen versteckten Schiffskörper zu bergen, eine Aufgabe, für die sich Kustos Dr. Siegfried Fliedner, dem Leiter der Schiffahrtsabteilung des Focke-Museums, der den Fund identifizierte und die wissenschaftliche Leitung der Bergung übernahm, keine Vergleichsunternehmungen anboten, deren Erfahrungen er hier hätte verwerten können.