Volume 
50. Band (1965)
Page
29
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Neue Beiträge zum Fund der Bremer Kogge

29

III

Neue Beiträge zum Fund der Bremer Kogge 1

Zu der Geschichte des Fundes, seiner Bergung und wissenschaftlichen Betreuung

Von Rosemarie Weber

Die zwei unmittelbar von der um 1400 errungenen Machtstellung unserer Hansestadt kündenden Denkmäler, der steinerne Roland auf dem Marktplatz, der dort an Stelle der 1366 verbrannten Holzstatue erstellt wurde, und das 14051407 erbaute Rathaus, wurden un­längst durch ein drittes Zeugnis jener Zeit bereichert, nämlich den Fund einer mittelalterlichen Hansekogge. Dieses Geschenk des Zu­falls darf man insofern als sinnvolle Ergänzung solcher monumen­talen Geschichtsdokumentation verstehen, als wir hiermit erstmalig eines der Großschiffe kennenlernen, mit denen der bremische Fern­handel jenen Aufschwung nahm, der die Voraussetzung eines ge­steigerten bürgerlichen Wohlstandes und Selbstbewußtseins war.

Die Einmaligkeit dieses Schiffsfundes, seine Bedeutung für Bremen wie auch für die gesamte mittelalterliche Schiffahrtsgeschichte, vor allem aber die wissenschaftliche Pionierarbeit im Zuge der Bergung, Datierung und Konservierung der Hölzer rechtfertigen schon jetzt, bevor der Wiederaufbau der Kogge begonnen ist, einen kurzen fund­geschichtlichen Uberblick.

Pionierarbeit mußte bereits bei der Bergung im Oktober 1962 ge­leistet werden, als bei der Abbaggerung eines Uferstreifens gegen­über dem Bremer Europahafen, auf einer noch 75 Meter in den Strom ragenden restlichen Landzunge, das Schiff, das heißt, besser gesagt, nur ein Teil seiner Backbordwand, sichtbar wurde. Galt es hier doch einen den Naturgewalten von Ebbe und Flut ausgesetzten, größten­teils unter Wasser noch in Sand und Kleimassen versteckten Schiffs­körper zu bergen, eine Aufgabe, für die sich Kustos Dr. Siegfried Fliedner, dem Leiter der Schiffahrtsabteilung des Focke-Museums, der den Fund identifizierte und die wissenschaftliche Leitung der Bergung übernahm, keine Vergleichsunternehmungen anboten, deren Erfah­rungen er hier hätte verwerten können.