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Arnold Rehm
XII.
Die Hausflagge des Norddeutschen Lloyd
Von Arnold Rehm
Anläßlich der Jungfernfahrt des TS „Bremen" (V) las man in der deutschen Presse, daß die schöne Lloydflagge mit der Gründung der Reederei sozusagen von dem Vater des Unternehmens, dem damals im besten Mannesalter stehenden Hermann Henrich Meier, selber erfunden sei. Auch seine „Einsetzungsworte" wurden, wenn auch verstümmelt, wiedergegeben; er hatte sie auf der Gästefahrt des D „Bremen" (I) am 12. Juni 1858 in dem als Speisesaal hergerichteten Zwischendeck zu den Geladenen gesprochen: „Und so sind wir denn getrosten Mutes vorangeschritten. In unserem Wappen — ein Anker, der den Bremer Schlüssel kreuzt, und den ein Eichenkranz umschließt — sehen Sie unseren Wahlspruch: in dem Anker halten wir die Hoffnung fest, daß der Schlüssel uns die Verkehrswege eröffnen werde, die wir mit deutscher Manneskraft, Ausdauer und Treue festhalten wollen." Dies waren klare und starke Worte, die nach Form und Inhalt genau feststehen und deshalb auch richtig wiedergegeben werden sollten.
Auch der Verfasser dieses Aufsatzes hatte früher übersehen, daß H. H. Meier bei jenem festlichen Essen gar nicht von der Flagge, sondern von dem Wappen der Reederei gesprochen hatte. Erst als das Bremische Staatsarchiv 1953 eine Sonderausstellung von Dokumenten aus der bremischen Schiffahrt veranstaltete, sah er, daß die „Wappenflagge" nicht vom Großtopp der „Bremen" (I) und ihrer running mates während der ersten zehn bis zwölf Jahre geweht hat. Dies ergab sich aus einer Tafel, die W. Ihlder & Co., Mechaniker, Optiker, Handlung von Seekarten, Navigationsbücher in Bremerhaven, Leher Straße 33, im Jahre 1862 unter dem Titel „Signalflaggen der Bremer Schiffsrheder" herausgegeben hatte. Wahrscheinlich diente sie als Werbegeschenk für seine Kunden. Auf dieser farbigen Zusammenstellung von etwa achtzig Hausflaggen finden wir, durch die „Mittschiffslage" vor den anderen ausgezeichnet, das Lloydsymbol als Namensstander mit der Inschrift „N. D. Lloyd". Dieser ist hübsch gerahmt von einem roten Streifen und mit den bekannten bremischen „Speckwürfeln" am Flaggenheiß. Dieses Symbol wehte am Großtopp