Johann Georg Kohl und die Baltischen Lande
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IX.
Johann Georg Kohl und die Baltischen Lande Die „Wiederaufsegelung" Livlands durch einen Bremer zur Biedermeierzeit
Von Arved Freiherr von Taube
ErsterTeil J. G. Kohl als Hauslehrer in Kurland 1830—1836 A. Einführung: Die Aufgabe
Der Reiseschriftsteller und Geograph Johann Georg Kohl, der am 28. Oktober 1878 in Bremen als Stadtbibliothekar im Alter von 71 Jahren starb und dessen von C. Dausch geschaffene Marmorbüste den Besucher der Bremer Staatsbibliothek in der Vorhalle begrüßt, ist eine nicht nur um seine Vaterstadt Bremen, sondern auch um die deutsche Landes- und Volksforschung so verdiente Persönlichkeit, daß man annehmen sollte, seine Lebensgeschichte sei bereits bis in alle Einzelheiten erforscht. Dieses um so mehr, als der hinsichtlich seines persönlichen Erlebens sehr mitteilsame Schriftsteller reichlich sowohl gedruckte als auch ungedruckte autobiographische Zeugnisse hinterlassen hat.
Zieht man aber in Betracht, daß Kohl seine schriftstellerische Tätigkeit in Kurland begonnen hat, wo er sich von 1830—1836 als Hauslehrer aufhielt, so muß man feststellen, daß über diesen nicht unwichtigen Abschnitt seines Lebens verhältnismäßig wenig bekannt ist. Kohls Aufenthalt in Kurland wird natürlich in den biographischen Darstellungen über ihn in den personenkundlichen Nachschlagewerken, wie z. B. in der Allgemeinen Deutschen Biographie und in der Bremischen Biographie des neunzehnten Jahrhunderts, erwähnt. Und auch Anneli Alexander hat in ihrer verdienstvollen Abhandlung „J. G. Kohl und seine Bedeutung für die deutsche Landes- und Volksforschung", Bremen 1940die Arbeiten verfolgt, mit denen sich Kohl in den baltischen Provinzen beschäftigte, und herauszuarbeiten
') Fortan zitiert: Alexander.