Das Alte Rathaus — einst vom Einsturz bedroht
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IV.
Das Alte Rathaus — einst vom Einsturz bedroht Ein Bericht über die Wiederherstellungsarbeiten im Jahre 1928
VonGustav Ulrich*)
Als im Herbst 1927 vom Hauptgesims des Städtischen Museums am Bahnhofsplatz ein Sandsteinbrocken herabgestürzt war, glücklicherweise ohne daß dies, wie vor dem ersten Kriege bei der Baumwollbörse, ein Menschenleben gekostet hätte, da hielt ich es für meine Pflicht, die meiner Fürsorge unterstehenden Fronten des vom Verkehr umbrandeten Alten Rathauses nach etwaigen Schäden absuchen zu lassen. Der Befund an der zunächst von leichtem Malergerüst aus untersuchten Schauseite nach dem Markte zu war ernst genug, wenn auch keine unmittelbare Gefahr durch Absturz von Sandstein infolge nicht handwerksgerechten Versetzens von Werkstein zu drohen schien, wie das beim Museumsgebäude beim Bahnhof der Fall gewesen war. Beim Rathaus handelte es sich vielmehr um Verwitterungsschäden, die auf Zersetzen der Sandsteinoberfläche durch schweflige Säure beruhten. Sie traten in verschiedener Weise auf, entweder so, daß man die Oberschicht des Sandsteins mit dem Fingernagel beseitigen konnte, oder so, daß dünne oder dickere Schalen sich ablösten und herunterfielen oder auch sich abpflücken ließen.
Daß hier etwas getan werden mußte, schnell getan, das sahen Senat und Bürgerschaft sofort ein, als im Dezember 1927 ein Bericht
*) Anmerkung der Schriftleitung: Unter Hinweis auf die von Herrn Dr. Rudolf Stein im voranstehenden Aufsatz geschilderten großen Verdienste, die sich Herr Baurat i. R. Gustav Ulrich in der Pflege alten bremischen Baubesitzes erworben hat, bringen wir im Nachfolgenden seinen eigenen Bericht über die Wiederherstellungsarbeiten am Alten Rathause im Jahre 1928 zum Abdruck. Es war dies seine größte Tat und sein größter Erfolg in seiner seit 1913 ausgeübten Tätigkeit im bremischen Staatsdienst. Ohne seine im wahrsten Sinne des Wortes „tiefschürfende Tätigkeit" bei der Entdeckung der Bauschäden wäre das Alte Rathaus mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Ruine geworden.
Daß ihm nach dem zweiten Kriege das neu geschaffene verantwortungsvolle Amt eines bremischen Baudenkmalpflegers übertragen wurde, das er dann noch sieben Jahre ausgefüllt hat, darf als Zeichen der ihm schuldigen Dankbarkeit mit Genugtuung erfüllen. Es seien für ihn nicht die leichtesten Jahre gewesen, gesteht er selber; aber er dürfe sie zu seinen besten zählen und für ihn wertvollsten.