Jahrgang 
48. Band (1962)
Seite
98
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Rudolf Stein

III.

Hundert Jahre Heimat- und Denkmalpflege in Bremen

Von Rudolf Stein

Was Heimat bedeutet, ist denen am stärksten bewußt, die sie un­wiederbringlich verloren haben: den Flüchtlingen und Heimatver­triebenen. Heimat ist uns das Land unserer Kindheit und Jugend, in dem wir vom Schoß unserer Mutter, von der heimeligen Wohnstube unserer Eltern aus allmählich den Kreis des Wissens um die Welt weiteten, bis wir unser Brot selbst verdienen und damit unser Schick­sal in die eigene Hand nehmen konnten. Wen es in die Ferne ver­schlug, und wer von diesen das Glück hat, wieder heimkehren zu dürfen und zu können, dem ist nicht Heimat, was sich inzwischen ver­änderte, selbst wenn ihm seine daheimgebliebenen Brüder voll Stolz das Neugeschaffene weisen, sondern das von der Kinderzeit her Ver­traute. Das ist uns Heimat, was Schauplatz und Zeuge von glücklichem und unvergeßlichem Erleben war, dessen wir uns vielleicht in Wehmut lächelnd erinnern, selbst wenn es einst mit ausgestan­dener Not und bitteren Tränen verbunden war.

Deshalb ist uns unser Vaterhaus und die heimatliche Straße um so kostbarer, je weniger sie sich verändert haben, und der Markt mit dem alten Rathaus und die Domtürme mit dem vertrauten Glocken­schlag, manches bewunderungswürdige Haus und die alte Windmühle packen uns deshalb im Bezirk des Herzens, weil wir sie einst an der Hand unseres Vaters in unser Bewußtsein aufnahmen und weil späterhin der Stolz auf die Schönheit der Heimat und das Wissen um ihre Geschichte die Kräfte wachsen ließ, mit denen wir auch in der weiten fremden Welt zu bestehen vermochten.

Die Heimat ist die Erde, in der wir Zeit unseres Lebens wurzeln, auch wenn wir fern von ihr weilen und wirken. Den in die Welt Gezogenen diesen Kraftquell treu zu bewahren, ist nicht weniger die Aufgabe der Heimatpflege, als den Daheimgebliebenen das Erbe der Väter zu erhalten, daß auch ihre Kinder und Enkel von dem zehren können, was die Alten stolz und stark gemacht hat. Stolz auf die Heimat und auf das Werk der Väter, um das es sich zu kämpfen lohnte, war es schon, aus dem heraus die beiden Geistlichen Gerd