VII
Zwei Arbeiten des bremischen Bildhauers Theophilus Wilhelm Freese
Wie stattlich die baukünstlerische Leistung Bremens im achtzehnten Jahrhundert und in ihrem Auftrag auch der Anteil der Kunsthandwerke war, hat Rudolf Stein in seinem Buche „Bremer Barock und Rokoko" soeben eindrucksvoll dargestellt. Aus der großen Zahl der in Bremen urkundlich nachweisbaren Meister sind jedoch nur wenige in ihrem Werk wie ihrem Lebensgange als Persönlichkeiten greifbar. Mancher vortreffliche Künstler, der als Steinhauer, Kunstschmied, Stukkateur, Tischler, Silberschmied, Kunstglaser, Orgelbauer im öffentlichen, kirchlichen oder privaten Auftrag tätig war, bleibt vorläufig nur ein Name, ein Auszug aus den Amtsrollen und Rhederbüchern. Dem bedeutendsten bremischen Meister des 18. Jahrhunderts, der als Künstler Jahrzehnte hindurch in seinem Gesamtwerk zu verfolgen ist, blieb eine eingehendere Würdigung bisher versagt: dem Bildhauer Theophilus Wilhelm Freese.
Gesicherte Werke von seiner Hand müssen als wertvolle Bremensien angesehen werden, um so mehr als im letzten Kriege empfindliche, unwiederbringliche Verluste eingetreten sind. Erfreulich ist deshalb die Tatsache einer Neuerwerbung, des Ankaufs der Marmorplatte mit dem „Urteil des Paris" aus Privatbesitz für das Focke-Museum (64,5:34 cm). Die schöne Arbeit ist seit einem halben Jahrhundert bekannt. Karl Schaefer beschreibt sie in einem Aufsatz in den „Bremer Nachrichten" vom 6. Juni 1910. Er fand die Marmorplatte eingemauert in der Kontorwand eines Kaufmannshauses in der Langenstraße und ordnet sie mit Recht zu zwei anderen, in den Maßen, im Material, in Stil und Qualität gleichartigen Platten, die das frühere Gewerbe-Museum bereits seit 1888 besaß. Diese Arbeiten zeigen den „Besuch der Venus in der Schmiede des Vulkan" und die Dreiergruppe des Apollo, der Minerva und der Justitia. Sie stammten aus dem Besitz von Frau Dr. Sägelken. Ursprünglich gehörten die drei Platten zusammen, sie bildeten den Schmuck eines gekachelten Ofenaufsatzes, den Th. W. Freese zusammen mit dem von ihm entworfenen und im Harz gegossenen Eisenuntersatz 1730 für die Wittheitsstube des Rathauses geliefert hatte. Da jedoch schon 1735 die drei Reliefs dem Meister bei anderen Aufträgen des Rates in Zahlung zurückgegeben wurden, war seinem Ofen keine Dauer beschieden gewesen. Die Arbeiten sind vermutlich bereits damals aus dem Rathaus entfernt worden.
Die jetzt erworbene Platte — im Gewerbe-Museum befand sich früher ein Gipsabguß, den Schaefer vom damaligen Besitzer erlangt hatte — trägt als einzige den Bremer Schlüssel im oberen Teil. Er ist hier wohl mehr als ein Zeichen für den Bestimmungsort im Rathaus zu werten als für die bremische Herkunft des Meisters. Der Augenweide waren diese Schmuckplatten des Ofens bestimmt, und selbst im Rokoko wurde selten anmutige Holdheit so freigiebig dargeboten. Eine leichte, laubenartige Architektur öffnet sich zu einer Nische, in der die Gruppe zierlich postiert ist. Zur Linken sitzt der mädchenhafte lockenköpf ige Paris; hinter ihm reckt sein Begleiter und Berater, Hermes in der Flügelhaube, seinen Heroldsstab zur Mitte. Paris überreicht den Apfel gerade der Schönsten: Aphrodite. Während sich Amor, fast ängstlich emporblickend, an ihr Knie schmiegt, nimmt sie den Preis mit einer leichten Senkung ihres kleinen Hauptes gelassen entgegen. Die beiden