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VIII.
Conrad Lüdger und Schiller
Von Günter Schulz
I.
Wer war Conrad Lüdger aus Bremen, und in welchen Beziehungen stand er zu Schiller? Die Kenner der älteren Schillerliteratur werden noch wissen, daß er in der Geschichte der Übersetzungen Schillerscher Werke ins Englische eine Rolle spielte, insbesondere bei den Wallen- stein-Ubersetzungen. In Schillers Kalender findet sich unter den Daten 14. Juni, 23. September, 25. Oktober 1799 und 26. Juli 1803 die gleichlautende kurze Eintragung: „Lüdger aus Bremen". Der Kommentator des Kalenders, Ernst Müller, bezeichnet ihn (1893) als „dramatischen Schriftsteller", da er mit seinem letzten Brief die Abschrift eines eigenen Schauspiels übersandte, „welches eben aus meiner Feder geflossen ist". Aus Lüdgers Briefen, die Wilhelm Vollmer im Jahre 1876 im Rahmen des Briefwechsels zwischen Schiller und Cotta veröffentlicht hat und deren Originale im Goethe- und Schiller-Archiv zu Weimar liegen, ergibt sich, daß er im Jahre 1799 „in der großen krummen Straße" wohnte. Cotta bat Schiller im Brief vom 23. August 1799 zu adressieren: „A Monsieur Ludger beym Dohm Bremen". Aus dem Briefwechsel dieser Jahre geht hervor, daß er mindestens 1799 bis 1803 ununterbrochen, wenn auch an verschiedenen Stellen, in Bremen gewohnt hat. Wahrscheinlich ist, daß er, mit längeren Unterbrechungen in Hamburg, während der „Franzosenzeit", bis zu seinem Weggang nach Leipzig im Jahre 1818 in Bremen gewohnt hat. Die Bremische Polizeidirektion bezeichnet ihn im Jahre 1818 in ihrer Eintragung mit dem Satze: „C. Lüdger, beeidigter Übersetzer und Lehrer lebender Sprachen, Pelzerstraße 27".
Daß er auch späterhin mit Bremen verbunden geblieben ist, zeigt eine Widmung in seinen „Gesprächen" 1 ). Aus ihr geht hervor, daß er Mitglied der Kaufmännischen Union von 1801 gewesen ist: Der/
•) Gespräche über die gewöhnlichsten Vorfälle im Leben, Englisch und Teutsch;.. . Leipzig 1823.