X.
Kleine Beiträge
1.
Ur-Bremen — vom Kaufmann aus gesehen *)
Von Otto Knechtel
Uber die Vorzeit Bremens, dessen Name zuerst zum Jahre 782 erwähnt wird, stehen sich zwei Meinungen gegenüber. Die eine Seite nimmt an, daß der Ort zu jener Zeit bereits eine gewisse Bedeutung besaß und demgemäß bereits auf eine längere Entwicklung zurückblicken konnte. Die andere Seite vertritt die Auffassung, daß erst die Gründung des Bistums eine Entwicklung Bremens ermöglichte. In der Auseinandersetzung sind bislang Geschichts- und Altertumsforscher sowie Stadtplaner und Architekten zu Worte gekommen. Die vorliegenden Ausführungen bezwecken, das Problem vom wirtschaftlichen Standpunkt aus anzusehen.
Zunächst etwas Negatives: Was ist Ur-Bremen nie gewesen? Was konnte es, aus wirtschaftlichen Gründen, niemals sein?
Ur-Bremen war niemals ein Fischerdorf. Selbstverständlich haben die ältesten Einwohner den Fischfang betrieben, doch wohl nur für eigenen Bedarf. Ein ausgesprochenes Fischerdorf verlangt einen Absatzmarkt, und ein solcher war nicht vorhanden.
Ur-Bremen war aber auch niemals eine bäuerliche Siedlung. Der Urständ der landwirtschaftlichen Betriebsform in unserer Gegend ist die Siedlung am Geestrand. Hier saß man auf trockenem Boden, hatte immer genügend Wasser für Menschen und Vieh; nach dem Wasser zu gab es Wiesen, die allerdings mangels Eindeichung dem Hochwasser und den Sturmfluten ausgesetzt waren, so daß man den Viehbestand nicht allzu hoch einschätzen darf. Die Aufstallung im Winter ergab Stalldünger für einen Acker mäßiger Größe, landeinwärts kam die Heide als Schaftrift und dahinter der Gemeindewald. Alle diese Voraussetzungen treffen auf Bremen nicht zu. Es darf dabei besonders daran erinnert werden, daß die Altstadt nicht auf Geestboden liegt,
*) Dieser Zuschrift eines Freundes bremischer Geschichte sei deshalb gern Raum gegeben, weil sie einige neue Gesichtspunkte in die Aussprache über das älteste Bremen trägt.