VIII.
Zur Geschichte der Passagierfahrt auf der Unterweser*)
Von Christian Piefke
Eine geregelte Personenbeförderung auf den Flüssen konnte erst mit dem Aufkommen der Dampfschiffe ins Leben treten. Die Dampfschiffahrt hat ihren Ursprung in Nordamerika gehabt, wo der Ingenieur Robert Fulton am 7. Oktober 1807 das erste praktisch brauchbare, von ihm erbaute Dampfschiff „Claremont" auf dem Hudson in Fahrt setzte. Die Maschine des Dampfers entstammte der damals weltberühmten englischen Maschinenfabrik Boulton, Watt & Co. in Soho bei Birmingham, und es ist eigenartig, daß es den Engländern, durch widrige Umstände aufgehalten, erst vom Jahre 1812 ab gelang, ihre vorzüglichen Maschinen beim Bau von eigenen Dampfschiffen zur Geltung zu bringen. Dann dauerte es aber nicht mehr lange, und auch in England kam der Dampfschiffbau zu hoher Blüte, und von 1816 ab wurden auf den wichtigsten englischen Strömen Dampfschiffe eingesetzt.
Diese amerikanischen und englischen Erfolge erregten in der ganzen Welt, nicht zuletzt in Bremen, großes Aufsehen. Hier war es der aus Hoya gebürtige Arzt Dr. Bollmann, der sich auf Grund einschlägiger Studien angelegentlich mit der Frage beschäftigte, ob nicht auch auf der Weser Dampfschiffe mit Nutzen verwendet werden könnten. Auf dem Wiener Kongreß hatte er den bremischen Senator, späteren Bürgermeister Johann Smidt kennengelernt, der sich für ihn und für die von ihm aufgeworfenen Fragen stark interessierte und ihn dem Senator Dr. Nonnen empfahl. Dieser nahm dann auch schriftliche Verhandlungen mit Bollmann auf, der sich, ein Weltwanderer, bald in Paris, bald in London und in Philadelphia aufhielt. Es stellte sich jedoch heraus, daß Bollmann die einschlägigen Verhältnisse nicht genügend sachkundig beurteilte und in seinen Plänen unsicher war. Selbst unvermögend, wollte er die für das Werk erforderlichen Mittel in umständlicher Weise durch Beschaffung von Anteilscheinen aufbringen, wobei er seinen persönlichen Vorteil keineswegs vergaß. Es konnte
*) Anmerkung des Herausgebers: Diese Fassung des Themas entspricht einem besonderen Wunsdie des Verfassers. Ich würde lieber „Fahrgastschiffahrt" und „Niederweser" gesagt haben.