VII.
Bremens Holzschiffbau vom Mittelalter bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts
Von Karl Helm I.
Vom Mittelalter bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts
1. Der Schiffs bedarf der Stadt
Wenn wir den Rahmen der Zeit über das Mittelalter bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts spannen, so geschieht es aus mehreren Gründen.
Der Austausch von Handelsgütern und der Verkehr über See beginnen sich in Bremen, von den ersten Anfängen im frühen Mittelalter abgesehen, im 13. Jahrhundert zu entwickeln und erreichen im Laufe des 16. Jahrhunderts mit einer für die damalige Zeit großräumigen Europa-Handelsfahrt einen Höhepunkt, was nicht ohne Einfluß auf den Schiffbau der Stadt und die Größe der Kauffahrteiflotte gewesen ist. Zum anderen werden die von der Hanse erlassenen Bestimmungen für den Schiffbau ihrer Städte, Grundlagen hansischer Schiffbaupolitik, noch einmal 1614 formuliert; doch überließ man es der einzelnen Stadt, inwieweit sie sich daran zu halten gewillt war. Und nicht zuletzt hat diese zeitliche Abgrenzung im besonderen ihren Grund darin, daß die Entwicklung der Schiffstypen für den Seeverkehr mit der „Fleute", die in den neunziger Jahren des 16. Jahrhunderts zum ersten Male in Holland vom Stapel lief, einen vorläufigen Abschluß fand, da die beiden folgenden Jahrhunderte ein Vielerlei an Schiffstypen zeigen, ohne eine einheitliche, fortschrittliche Linie aufzuweisen 1 ).
Es mag zunächst der Umkreis der Fahrten bremischer Seeschiffe abgesteckt werden. Vor allem mit Kurs auf Norwegen segelten sie nach dem Norden Europas mit Getreide und Bremer Bier und brachten als Rückfracht Fisch für das Binnenland und Holz für den Schiffbau. Auf anderen Schiffen setzte die Mannschaft die Segel für die Fahrt nach
1 ) B. Hagedorn, Die Entwicklung der wichtigsten Schiffstypen bis ins 19. Jahrh., Veröffentl. d. Ver. f. hamburg. Geschichte, I. Band, 1914, S. 119/120.