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Reihe A, 43. Band (1951)
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VI.

Zur Baugeschichte des Nordseitenschiffs des Bremer Doms *) *)

Von Siegfried Fliedner

Die Erforschung der Baugeschichte des Bremer Doms hat ergeben, daß sich an das Mittelschiff ursprünglich ein nördliches Seitenschiff anschloß, das dem südlichen weitestgehend entsprochen haben muß. Die baulichen Einzelglieder wie Dienste, Basen und Kapitelle dieses heute verschwundenen Bauteiles sind noch in einem bedeutenden Um­fange erhalten und stellen in ihren Maßverhältnissen bzw. ihrem Stil­charakter genaueste Parallelen zu denen des Südseitenschiffes dar. Cord Poppelken hat sie bei seinem großzügigen Umbau der gesamten Nordseite des Langhauses 1502 bis 1522 wieder verwandt. Allerdings hat König 2 ) die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen gehalten, daß Poppelken jene architektonischen Details nach dem Muster der im Südseitenschiff befindlichen vollkommen neu hat anfertigen lassen. Der Baumeister hätte sich also in diesem Falle bewußt von historisie­renden Gesichtspunkten leiten lassen und zugleich in einem für seine Zeit sehr auffälligen Grade Rücksicht auf die Einheitlichkeit des ästhetischen Gesamteindrucks des Kircheninnern genommen. - Diese Vermutungen gehen selbstverständlich zu weit, wenn auch Pop­pelken in der Tat eine eigentümlich ungebundene Haltung in der Wahl älterer Stilformen nachzuweisen sein wird. Insbesondere bei den Kapitellen es handelt sich im ganzen um 40, die hier in Frage kämen 3 ) wäre es nicht denkbar, daß Poppelken zu seiner Zeit schon

*) Mit Originalaufnahmen des Verfassers.

') Dieser Aufsatz wurde geschrieben, als die zahlreichen Schäden, die der Dom im Krieg erlitten hatte, noch nicht behoben waren. Das Mauerwerk des Nordseitenschiffs lag damals an vielen Stellen frei, sodaß sich die Bau­geschichte desselben verhältnismäßig klarablesen" ließ. Bei der im vorigen Jahr glücklich beendeten Renovation des Nordseitenschiffs, dessen Gewölbe durch eine Bombe zur Hälfte zerstört worden war, wurden die Mauern wieder verputzt. Details derselben, die wichtige Aufschlüsse über die Baugeschichte des Nordseitenschiffs gaben, wurden vom Verfasser im Lichtbild festgehalten.

2 ) Arno König, Mittelalterliche Baugeschichte des Bremer Doms, Bremen 1934. König folgt hierin als einziger H. A. Müller, Der Dom zu Bremen, Bremen 1861.

3 ) 4 Kapitelle dieser Art befinden sich an einer Arkade zwischen nörd­lichem Kreuzflügel und Nordseitenschiff. Sie gehörten, wie schon der architektonische Befund eindeutig lehrt (vgl. S. 331), zum früheren nördlichen Seitenschiff und sind deshalb von vornherein nicht in den Kreis dieser Be­trachtungen einbezogen worden.