III.
Die älteste Stadtbefestigung Bremens
Von Ernst Grohne
Die umfänglichen Bunkerbauten für Luftschutzzwecke im bremischen Stadtbezirk während des Krieges boten wegen der damit verbundenen tiefen Ausschachtungen und gewaltigen Erdbewegungen die Gelegenheit zu altertumskundlichen Beobachtungen in einem Ausmaß, wie das in friedlichen Zeiten niemals der Fall gewesen ist. Wenn gleichwohl diese einzigartigen Beobachtungsmöglichkeiten nicht in dem gewünschten Maße ausgenutzt werden konnten, so lag das einerseits an der Unruhe, die der Luftkrieg in dem besonders häufig angeflogenen Bremen mit sich brachte, andererseits daran, daß wir unsere Hauptaufmerksamkeit und Tätigkeit auf die Bergung von beweglichen Kunstschätzen und auf die Sicherung der unter Denkmalsschutz stehenden Altbauten richten mußten, so daß uns für eigentliche Forschungsarbeiten nicht viel Zeit verblieb. Trotz dieser Behinderungen ist der Einbau des riesigen Tiefbunkers im Domshof während des Herbstes und Winters 1940, was die Bodenaufschlüsse anbetraf, von uns mit einiger Sorgfalt beobachtet worden; ergab sich doch hier die einzigartige Möglichkeit, die in der alten Domsdüne zu vermutenden Kulturreste und Kulturschichtungen im Anschnitt wie im Durchschnitt genau kennenzulernen 1 ). Die Bunkerbaugrube, deren Aushub, wie schon erwähnt, im Herbst 1940 begann, umfaßte so ziemlich den ganzen Domshofplatz, von der Ostseite sich um Straßenbreite abhaltend, an der Westseite jedoch bis nahe an die Fundamente der dortigen Bankgebäude heranreichend. Die Tiefe der Grube betrug auf der Südseite, da, wo der Platz zum Dom hin ansteigt, fast 12 Meter und am Nordende, da, wo der Teichmannbrunnen stand, etwas über 9 Meter. Bis zur Sohle der Baugrube wurde nur reiner gelblicher
*) Von den derzeitigen zivilen und militärischen Bauaufsiditsstellen war mir das Photographieren der betreffenden Ausschachtungsarbeiten in allen Phasen gestattet worden, jedoch war es vor Kriegsende nicht möglich, etwas davon in einem Vortrag bekanntzugeben oder im Druck zu veröffentlichen.