IX.
Zur bremischen Theatergeschichte 1783-17911
Von Hermann Tardel. I.
Abbts Hinterlassenschaft.
Die Verherrlichung, die man dem verstorbenen Abbt durch ein besonders feierliches, bürgerliches Begräbnis in einer Kirche erwiesen hatte, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß sein Tod die ganze trostlose soziale Lage des herumziehenden Komödiantentums am Ausgang des 18. Jahrhunderts auch öffentlich enthüllte. Sowohl in Göttingen, wo seine berühmte Gattin Felicitas in größter Bedrängnis gestorben war, wie besonders in Bremen gab es aus Anlaß des unvermeidlichen Doppel-Konkurses langwierige Verhandlungen über seinen Nachlaß, die den Kommissarien des Rats viele verdrießliche Bemühungen bereiteten. Einige Angaben bei Lib. Dietr. Post und Willi. Christ. Müller, ein paar Zeitungsanzeigen und archivalische Akten geben uns einen betrübenden Einblick in diese armseligen Verhältnisse.
Anderthalb Monate nach Abbts Dahinscheiden bringen die Brem. Wöchentl. Nachr. am 5. Januar 1784 eine im umständlichsten Juristendeutsch abgefaßte Aufforderung an alle Gläubiger und Schuldner des Verstorbenen, sich in der Kommissionsstube des Rathauses am 9. Januar zu melden. Erst über ein Jahr später enthält dieselbe Zeitung am 21. Februar 1785 eine Nachricht über die Versteigerung der Konkursmasse: „Am Montag den 28. Februar und die folgenden Tage zu gewöhnlicher Zeit soll die ansehnliche und wohl conditionirte Theater Garderobe weil. Schauspiel-Directeurs Carl Friedrich Abts in dem auf dem St. Ansgariithors Walle gelegenen Schauspielhause öffentlich den Meistbietenden vereinzelt gegen bare Bezahlung verkauft werden.
l ) Fortsetzung der Abhandlungen im Bremischen Jahrb. Bd. 30 (1926) S. 263—310 und Bd. 38 (1939) S. 75—157. Vgl. ferner: Der Schlüssel. Bremer Beiträge zur Deutschen Kultur und Wirtschaft. Jg. III (1938) S. 196—202 und V (1940) S. 62—63.