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Friedrich Prüser.
Seilschaft der „Zirkelbrüder" verlegte; nur habe er die Bedeutung des Grundbesitzes für das Zustandekommen des Patriziats unterschätzt. Freieigener Besitz habe in Lübeck die Grundlage des Vollbürgertums gebildet, das sich weiterhin aus den in kaufmännischer Wirtschaft reich Gewordenen ergänzte. Wir finden diese Familien im Rat; aber erst allmählich wuchsen sie sich zum geschlossenen Kreise, zum Stand aus, der den Abschluß gegen andere in der „Zirkelgesellschaft", der späteren „Junkerkompagnie" erreichte. Sie setzte für ihre Mitglieder die reichsseitige Anerkennung des Adels durch und stellte natürlich auch ein gut Teil der Mitglieder des Rates, ohne daß sie indes ein ausschließliches Vorrecht erlangt hätte. — Auch die kenntnisreichen Begleitausführungen Karl Reinhardts zur „Modellrekonstruktion des Adler von Lübeck'" könnte für etwaige ähnliche bremische Arbeiten zum Vorbild dienen. In wissenschaftlicher Forschung entsteht hier eines der berühmtesten Schiffe aus Lübecks Vergangenheit in allen Einzelheiten genau vor unseren Augen. Dabei wird für viele Dinge Auskunft gegeben, die beim Modellbau zu beachten sind. Allerdings kann hier auch nur peinlichste Sauberkeit zum Ziele führen, wenn wir uns nicht etwa durch zeitgenössische Modellbauten beschämen lassen wollen, die in der Genauigkeit der Ausführung immer wieder überraschen. Im Rickmersschen Gutshause auf dem Hodenberg fand ich z. B. das Modell eines für die Mittelmeerfahrt bestimmten Schiffes, des „Wappens von Hamburg"; soweit Einzelheiten bekannt sind, stimmt es bis ins letzte mit den Beschreibungen überein, von denen Ernst Baasch und Ludwig Beutin in ihren entsprechenden Arbeiten berichten. — Bremer Leser seien schließlich im besonderen auf einen kleinen Beitrag von H. Rahtgens über „Eine unbeachtete Ansicht Lübecks aus dem 16. Jahrhundert" hingewiesen, weil seine Ausführungen auch für die älteste uns bekannte bremische Stadtansicht Bedeutung haben, die von 1560, die bisher einem gewissen Michael Weißflog zugeschrieben, nach den hier gegebenen Beweisen aber von Martin Weigel in Holz geschnitten wurde, der 1553 als Briefmaler und Formschneider in Augsburg, 1568 und 1569 in Nürnberg nachzuweisen ist. Übrigens hat schon Georg Steinhausen 1899 in seiner Monographie über „Den Kaufmann in der deutschen Vergangenheit" die Bremer Ansicht Martin Weigel zugewiesen, allerdings zum Jahre 1580. Das Lübecker Blatt stammt aus derselben Werkstatt, wenn auch nicht vom selben Künstler, sondern von Hans Weigel dem Älteren.