Bremens neuere Münzgeschichte
Von Wilhelm Jesse.
Im Anschluß an meinen Aufsatz „Zur älteren Münz- und Geldgeschichte Bremens" in diesem Jahrbuch 36 (1936) wird hier auf Wunsch der Schriftleitung der Versuch gemacht, auch die neuere Münzgeschichte Bremens in Form einer zusammenfassenden Abhandlung darzustellen. Naturgemäß kann es sich bei der Fülle des Stoffes auch hier nur um die Grundzüge der Entwicklung handeln. Wie ich bereits Jb. 36 S. 182 gesagt hatte, wäre eine völlige Neubearbeitung einer umfassenden Bremer Münz- und Geldgeschichte als Ersatz für das immer noch grundlegende, aber in vielen Teilen doch stark überholte Buch von Hermann Jungk von 1875 durchaus wünschenswert. Indessen kann im folgenden nur in großen Zügen und unter Berücksichtigung der über Jungk hinausgehenden neueren Forschungsergebnisse der Ablauf der bremischen Münzgeschichte dargestellt werden. Bei der Eigenart des Gegenstandes meiner Arbeit konnten und durften freilich auch dabei numismatische Einzelheiten nicht vermieden werden, doch wurden sie tunlichst in die Anmerkungen verwiesen oder dem Nichtfachmann erklärt.
I. Die Periode der erneuten erzbischöflichen Münzprägung nach 1463.
Nachdem die Stadt Bremen seit 1369 das Münzrecht von den Erz- bischöfen rund 100 Jahre ungestört pfandweise in Besitz gehabt und ausgeübt hatte, setzte nach dem Regierungsantritt des Erzbischofs Heinrich von Schwarzburg (1463—96) eine neue, wenn auch nur kurze Periode der bremischen Münzgeschichte ein. Erzb. Heinrich hat nämlich die Verpfändung der Münze an die Stadt nicht erneuert, sondern wieder selbst in Bremen eine Münztätigkeit ausgeübt. Das geschah nicht sofort nach seinem Regierungsantritt, denn aus einer Verordnung des Rates über den Wert fremder Münzen und gegen die Silber-