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Zur mittelalterlichen Baugeschichte des Bremer Domes. 1 '
Von Helen Rosenau.
Die historische und baugeschichtliche Problemlage des Bremer Domes erwächst aus einer paradoxen Situation. Während über verschwundene karolingische Anlagen eine Reihe urkundlicher Nachrichten vorliegen, auch für die grundlegend wichtigen Bauvornahmen des 11. Jahrhunderts schriftliche Zeugnisse überkommen sind, finden sich doch für das 12. und 13. Jahrhundert, die in entscheidender Weise den Charakter des Bremer Domes mitbestimmen, nur spärliche Überlieferungen, und erst am Beginn des 16. Jahrhunderts läßt sich der noch jetzt bestehende Umbau des nördlichen Seitenschiffes ausreichend mit Urkunden in Verbindung bringen.
Von der ältesten, 789 von Willehad geweihten Kirche aus Holz, der um 823 erwähnten zweiten aus Stein ist wenig bekannt. Immerhin erscheint baugeschichtlich wichtig, daß dieser erste steinerne Dom einen Westchor besaß, also als doppelchörige Anlage zu rekonstruieren ist 2 ).
Diese Kirche ist wohl dieselbe, die von dem heiligen Ansgar 860 geweiht wurde 3 ). Ihre Lage läßt sich in etwa räumlich bestimmen: der Hauptaltar befand sich ungefähr in der Mitte der noch jetzt be-
*) Es ist d. Verf. ein Bedürfnis, den verwaltenden Bauherren des Bremer Domes, wie dem Dombaumeister, Herrn Dipl.-Ing. W. Görig für die freundliche Unterstützung bei ihren Untersuchungen zu danken. Ebenso fühlt sie sich den Herren Senatssyndikus Professor Dr. H. Entholt und Studienrat Dr. H. Schecker für die rege Förderung ihrer Arbeit verpflichtet.
Die eingehende Baugeschichte, die Beschreibung der bei den vorgenommenen Ausgrabungen gemachten Funde, die kunsthistorische Einordnung, die ausführliche Erörterung der Literatur, sowie der vollständige Abbildungsbeleg können erst im Zusammenhang einer im Entstehen begriffenen Arbeit über das gleiche Thema vorgelegt werden.
2 ) Vgl. O. H. May: Regesten der Erzbischöfe von Bremen. Bremen 1928, S. 3, Reg. 5, 6, S. 5, Reg. 9, 14.
3 ) May a. a. O., Reg. 39, S. 12.
Bremisches Jahrbuch.
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