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Die Stellung Belgiens zum alten Reiche
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Die Stellung Belgiens zum alten Reiche

von Professor Dr. Lonrcid Born hak

unächst sei die sprachliche Bemerkung vorausgeschickt, daß der Name Belgien, der nach Caesar einen Teil Galliens und demnächst eine römische Provinz bezeichnete, in den Zeiten der Völkerwanderung für anderthalb Jahrtausende spurlos untergegangen ist. Er taucht tatsächlich erst in den Zeiten der französischen Revolution wieder auf, als man zeitweise wie an eine helvetische, ligurische, cisalpinische und parthenopäische, so auch an eine belgische Republik dachte, bis man es doch vorzog, das Land unmittelbar mit Frankreich zu verbinden und nur das nörd­liche Nachbarland in eine batavische Republik zu verwandeln. Während aber sonst die antiken Nachäffereien bald wieder von der Bildfläche verschwanden, fand das noch gar nicht zur Entstehung gelangte Belgien eine Auferstehung in der Revolution von 1830. Erst seitdem ist der Name Belgien wieder amtlich ausgegraben.

Von den Zeiten der Ottonen, Salier und Hohenstaufen bis zu Kaiser Karl dem Fünften ist in der Gegend des heutigen Belgien die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich fast unverändert geblieben. Sie zieht sich von der Küste quer durch Flandern die Scheide entlang, das westliche Flandern mit Brügge, Dünkirchen und Nyssel, also vorwiegend deutsche Bevölkerung zu Frankreich, Gent zu Deutschland schlagend, geht dann südlich um das Bistum Kammerik herum, das noch zu Deutschland gehört und westlich der Südgrenze von Hennegau und Bistum Lüttich entlang, bis sie auf das Bistum Wirten stößt. Erst Kaiser Karl dem Fünften gelang eine bedeutende Gebietserweiterung, indem er Westflandern und die Grafschaft Artrecht im Frieden von Madrid von 1526 von der französischen Lehnsherrlichkeit befreite. Die Grenze ging seitdem nördlich von Sedcm fast direkt nach Westen. Nur das nnmitteldare Küstenland von Boulogne uud das damals noch englische Calais lagen außer­halb der Reichsgrenzen.

Das große Gebiet, das sich südlich von Friesland, westlich von Westfalen über das Mosclland hinweg bis an den Westkamm der Vogesen erstreckte und zum kleineren Teile von romanisierten Kelten, zum größeren von Mischen und ripuarischen Franken bewohnt war, hatte bei den Teilungen unter den späteren Karolingern das Erbteil Lothars des Zweiten, des Sohnes Kaiser Lothars des Ersten, gebildet, und von ihm die Bezeichnung Lotharingien erhalten. Nach Aussterben der Linie Lothars bildete Lothringen längere Zeit einen Zankapfel zwischen dem Ost- und dem Westreiche der fränkischen Monarchie, bis es endlich