Zur Lnnncrung au Ibsen
503
Italien zurückzukehren, denu Seine Heiligkeit wünschten, daß ich der Überbringer der von mir erlangten Schriftstücke sei, damit ich ihren wahren Sinn und ihre ganze Tragweite darlegen könne. Ich habe gehorcht: Eure Exzellenz werden aus den Daten dieses Schreibens ersehen, daß ich mich in Aachen befinde, dem Endpunkt der Telegraphenlinien und des Postdienstes der Regierung. Ich erwarte dort Ihre Befehle. Herr Ministerpräsident. Ich darf noch einmal wiederholen, haben Sie die Güte, mir diese so schleunig wie möglich zukommen zu lassen.
Die Gründe, aus denen die langwierigen Verhandlungen Klindworths zu gar keinem Ergebnis führten, sind nicht bekannt geworden. Vermutlich waren es die orientalische Krisis und der Krimkrieg, die das Interesse der preußischen Regierung von dieser Frage augenblicklich ablenkten.
Zur Erinnerung an Ibsen
ollen wir einen Dramatiker, der die Menschen, allerdings wohl wesentlich die von germanischem Geblüt, so stark beschäftigt wie Ibsen, in die Geschichte einreihen, so ist dies natürlich ein vorläufiger Versuch, den die Zukunft sicher mit mancher Abwechslung wiederholen wird. Aber unter allen Umständen erhebt sich dabei ^ne stattliche Reihe von Fragen und Vergleichungen. Ich wähle davon nur einen ganz kleineu Teil aus, nämlich die Frage, wie weit Ibsen der Möglichkeit, Allgemein genossen zu werden, nahe kommt, und wie er sich zum allgemeinen Problem des ernsten Dramas verhält, das nachher zu bezeichnen ist.
Zwischen Kunstproduktion nud Kunstgenuß nämlich besteht ein oft beugtes, aber nicht immer gleich starkes Mißverhältnis. Eigentlich muß wohl der Künstler wünschen, von allen genossen, also auch — was nicht dasselbe möglichst verstanden zu werden. Aber dieses Ideal ist nicht zu erreichen; sonst wäre es ja keins. Die Natur hat es offenbar auch hier nicht auf eine allgemeine Gleichmacherei abgesehen. Ihr darin hartnäckig, z. B. mit der Verbreitung der „Bildung" entgegenzutreten, gehört in das große und anziehende Kapitel von der Karikatur der Idee. Trotz der differenzierenden Eigenheit des Weltlaufs hat es aber mitunter Annäherungen an dieses Ideal gegeben, "nd zwar wesentlich unter dem Einfluß der Religion. So ergriff die Malerei in Italien die Gemüter viel allgemeiner und tiefer als bei uns. Noch tiefer war vielleicht der Eindruck der geistlichen Schauspiele des Mittelalters, der sogenannten Mysterien, die in verschiednen Ländern und in der breitesten und bequemsten Öffentlichkeit etwas darstellten, was damals zum Kern des geistigen Gebens gehörte. Auch in Griechenland war ja die Tragödie, wenigstens ursprünglich, eine religiöse Feier von nationalem Charakter. Freilich schwanken die Meinungen über die Beschaffenheit des Publikums. Lessing dachte wohl etwas