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Wanderungen in der Niederlausitz. 6 : Graf Brühl und seine Schlösser
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Gräfin Susanna

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so beachtenswert erschienen, daß er sie in seinenVermischten Nachrichten von Künstlern" ausdrücklich erwähnt. Daß Grochwitz zu den Lieblingsschöpfungen der Gräfin Brühl gehörte, entnehmen wir der oben angeführten Briefstelle. Obwohl nun der König selbst in Grochwitz für vier Tage Quartier nahm, überließ er doch dieses Schloß samt dem Gutshofe und dem Rittergute Rcchnisdorf seinen Soldaten zu schonungsloser Plünderung. Die Scheunen wurden geleert, das Vieh geschlachtet, Möbel, Bilder Betten, Silberzeug, Porzellan kurz alles, was irgendwie Geldes wert war, wurde unter den Augen des Königs im Hofe zusammengeschleppt und dort ein regelrechter Markt eröffnet. Das Beste kauften die preußischen Offiziere, die von Grochwitz aus ganze Wagen nach Brandenburg schickten, ihre heimischen Edelsitze mit dieser Beute zu schmücken; die geringern Sachen wurden an Herz- berger Bürger und an die Bauern der umliegenden Dörfer verschleudert. Als dann der König am 24. Oktober früh in der Richtung auf Torgau abmarschiert war, wurden auch noch die von ihm bewohnt gewesenen Zimmer von seinem Garde­bataillon ausgeplündert und sämtliche Fensterscheiben mit Steinen eingeworfen; ein Jahr später, am 7. September 1758, wurde das Schloß auch noch von preußischen Soldaten angezündet. Diese Tatsachen sind uns nicht nur durch das von Brühl inspirierteSchreiben eines aus Teutschland zurückkommenden Russischen Reisenden usw." (in derTeutschen Kriegs-Canzley auf das Jahr 1758." III. Band, XV. Teil, Nummer 113, Seite 958 bis 976) verbürgt, sondern auch durch zeitgenössische Herz- berger Aufzeichnungen sowie durch den Bericht einer Frau aus Altherzberg, die Augenzeugin des Brandes gewesen ist. und endlich durch ein noch heute in Groch­witz vorhandnes, vom Gerichtsverwalter aufgenommnes Protokoll vom 26. Oktober 1757, das den dem Schlosse zugefügten Schaden, abgesehen von dem spätern Brande und dem Verluste des Viehes und der Vorräte, mit 34503 Talern ansetzt.

(Schluß folgt)

Gräfin Susanna

von Henry Harland (Fortsetzung)

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ols der Henker, wie sie sich in meinen Gedanken festsetzt, rief Anthony ungeduldig. Ich bin doch weiß Gott nicht in meine vier Pfähle zurück­gekehrt, damit mich der bloße Anblick eines Frauenzimmers wie be­sessen macht!

Es muß am Wetter liegen, beschloß er dann, nachdem er sich den Fall noch einen Augenblick überlegt hatte. Jawohl, ich gehe jede Wette ein, daß es nichts ist, als dieses dumme, sentimentale, verschlafende Juniwetter.

Er saß in einer schattigen Ecke seines Gartens, wo Bienen summten, und die Luft mit dem Duft unzähliger Rosen erfüllt war. Ab und zu huschte ein Sonnenstrahl durch das Blätterdach und spielte auf einem bunten Durcheinander von Rittersporn und Schwertlilien, von Stiefmütterchen und roten Geranien, von Tulpen, die herausfordernd Protzig in sattem Grün und Rot prangten, und auf weißen, gelben und roten Rosen. Aus dem Park erklangen die Stimmen der Vögel in allen Tonarten und erfüllten die Luft mit jubelndem Singsang.

Anthony saß vor einem Schreibpult und suchte sich der Abfassung von Briefen