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Das "Rotwelch" des deutschen Gauners : eine linguistisch-psychologische Skizze
(Fortsetzung)
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DasRotwelsch" des deutschen Gauners

Line linguistisch-psychologische Skizze von !t. Günther in Gießen

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(Fortsetzung)

! ehn wir von der künstlichen und gewaltsamen BeHandlungsweise der Sprache zu den andern Mitteln über, die die Gauner auf der Grund­lage unsers einheimischen Wortschatzes noch dazu benutzt haben, ihr Rotwelsch fortwährend als abgeschlossene Standessprache zu erhalten, so ist zuerst der Bevorzugung vieler jetzt veralteter (archaistischer") > Ausdrücke zu gedenken. Auch wenn man nicht mit Avs-Lallemant für einzelne Vokabeln gar auf das Gotische zurückgehn will (wie z. B. bei Hauhns, der ungeübte, unerfahrne Gauner, Neuling, Tölpel; gotisch: Kanus, niedrig, schwach), so bleiben doch noch eine Menge Wörter übrig, die man bis ins Alt­oder Mittel- (Hoch- oder Nieder-Deutsche verfolgen kann. So wird man die Be­zeichnung Ru(o)ch, Rucht für Bauer vom althd. rüli, mhd. inen, d. h. rauh, roh, ableiten dürfen, während der gleichbedeutende Ausdruck Hutz, Hautz (Bauer, Mann, Hutzln, Bäuerin) wohl von Hutzel (mhd. nutWl, nnwel, gedörrte Birne, dann auch altes runzliges Weib, guter, aber schwacher Mauu) und dieses wahrscheinlich wieder von dem althd. und mhd. nut, Haut, herkommt (vgl. diegute Haut" uusrer Gemeinsprache). Breilaft für Hochzeit ist nur eiue mundartliche Färbung für das althochdeutsche Mtloutt, biütlouk, nenhd. Brautlauf, worin noch eine interessante Erinnerung an die uralten Zeiten des Frauenraubs als Eheform steckt, da es nicht etwa mit loben, verloben, sondern mit laufen (eurrsre) zusammen­hängt (weil ursprünglich der Bräutigam hinter der davoneilenden Braut herlief). Das Schränkzeug, wie der gewerbsmäßige Einbrecher noch heute seine gesamten Diebeswerkzeuge zu benennen pflegt, kann man auf das mhd. sLiirane(I:), die ge­meinsame Quelle unsers Schranks und unsrer Schranken, zurückführen (vgl. auch Schränker," Einbrecher,Schrendefcger," Dieb, der in einem größern Verschlüsse sStube, Kammerj aufräumt). In hohes Altertum geht jedenfalls auch der Schärfen­spieler hinauf, d. h. der Mann, der den Dieben die gestohlnen Sachen (in Bausch und Bogen) abkauft,schärft," um sie dann (einzeln) wieder weiter zu vertreiben, zuverschärfen" (wohl von ahd. sog-rbün, mhd. «eliai-den, nhd. scharben, schärben, in Stücke schneiden), ferner der Schnorrer oder Schnurrer (wohl vom mhd. snuri'sn, rauschen, sausen,schnarren," dann betteln, als Bettel- mufikant mit einem schnarrenden Instrument oder auch mit schnarrender, Gebete ableiernder Stimme), desgleichen der Putz oder Butz, der Polizist (zu mhd. butii, butso liu-vs,, Popanz, vgl. Butzejljmaun, Schreckgespenst für Kinder), vor dessen wachsamen Augeu sich Bettler, Stehler wie Hehler gleichmäßig hüten müssen, wenn sie nicht unliebsame Bekanntschaft mit dem Klcmms (wohl von klemmen, klempern, mhd. Klambou, verklammern; vgl. unsernKlempner") oder dem Kittchen (wohl eher von mhd. und neund. Kute, Grube, Loch oder von mnd. Kitssn, kleines, angebautes Gemach als vom jüd. Kisss, Sessel, Haus), d. h. dem Gefängnisse machen wollen.

Besonders reich ist nnser Rotwelsch, wie schon eingangs angedeutet ist, an allen möglichen mundartlichen Formen, denn auch diese sind ja in gewissem Umfange noch ein geeignetes Mittel zur Verhüllung des Sinnes der Rede. Dadurch erklärt sich auch das ziemlich starke Hervortreten des (der süddeutschen Bevölkerung ja ganz Grenzboten III 1904 4g