Erinnerungen aus der preußischen Archivverwaltung
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einen Getreidezoll (außer auf Mais) von zwei Schillingen für den Quarter, einen entsprechenden Mehlzoll, einen fünfprozentigen Wertzoll auf Fleisch (ohne Speck) und auf Molkereierzeugnisse eingeführt wissen. Auf alle diese Zölle, ferner auf die Wein- und die Früchtezölle sollen die Kolonien einen Nachlaß oder völlige Befreiung erhalten. Dagegen beabsichtigt er eine Ermäßigung des Teezolls auf ein Viertel, des Zuckerzolls auf die Hälfte und des Kaffee- und Kakaozolls vorzuschlagen, damit der Bevölkerung für eine etwa erfolgende, nach seiner Ansicht aber keineswegs unbedingt eintretende Verteuerung der Lebenshaltung ein Ausgleich gegeben werde. Andrerseits will er die Erträge der Zölle für eine soziale Arbeiterversicherung nach deutschem Muster verwandt sehen. Schließlich soll ein Zoll auf Jndustrieerzeugnisse, abgestuft nach der in der Ware steckenden Arbeitsleistung bis zu zehn Prozent vom Werte, den innern Markt besser sichern, als das heute der Fall ist. Schluß folgt)
Erinnerungen aus der preußischen Archivverwaltung
von H. Forst
lor dem Jahre 1866 hatte Preußen außer dem geheimen Staatsarchive zu Berlin Provinzialarchive zu Koblenz, Düsseldorf, Münster in Westfalen, Magdeburg, Stettin, Königsberg in Preußen und Breslau. Jedes davon wurde von einem Archivar ver- ! waltet. Für dieses Amt war kein bestimmtes Fachstudium vorgeschrieben; die Regierung berief vielmehr nach Gutdünken Historiker oder Juristen. So wurde im Jahre 1853 der bei der Zentraldirektion der Noriuiventa HsrivWias als Hilfsarbeiter beschäftigte Roger Wilmcms zum Archivar in Münster, im Jahre 1855 der Privatdozent Wattenbach zum Archivar in Breslau, im Jahre 1863 der Gerichtsassessor Eltester zum Archivar in Koblenz ernannt. Der gemeinsame Vorgesetzte dieser Beamten war der Direktor der Staatsarchive, der seinerseits unmittelbar unter dem Präsidenten des Staatsministeriums stand. Außerdem führten die Oberpräsidenten der Provinzen die Aufsicht über die Verwaltung der einzelnen Archive; sie vermittelten auch den geschäftlichen Verkehr zwischen den Archiven und dem Direktorium. Den Posten des Direktors bekleidete seit dem Jahre 1352 der Geheime Oberarchivrat vr. Karl Wilhelm von Lcmcizolle; er war vorher Professor in der juristischen Fakultät zu Berlin gewesen. Über den Charakter seiner Verwaltung füllt der Biograph seines Nachfolgers ein sehr ungünstiges Urteil*); dagegen haben ältere Archivbeamte die Sorgfalt und die Sachkenntnis Lcmcizolles gerühmt. Am 1. Juli 1867 trat er in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde der Historiker und Politiker Max Duncker, bis dahin vortragender Rat des Kronprinzen. Duncker arbeitete zunächst eine neue Instruktion für die Verwaltung
") R. Hnym, Leben Max Dunckers, S. 422.