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Hdland und Landeskultur im Herzogtum Oldenburg
mit Beruhigung der „seltnen Einstimmigkeit" gedacht habe, mit der geschehn sei, was „für die Sicherstellung der Zukunft des Reichs auf jede Gefahr hin" notwendig war. Weitern französischen Bestrebungen, trotzdem wieder ein Übergewicht der Zahl zu erreichen, hat erst die neue deutsche Heeresreforin unter Caprivi, die die zweijährige Dienstpflicht, aber auch dreiundvierzig neue Jnfcmterie- regimenter auf einmal gebracht hat, ein vollständiges Ende bereitet; die Franzosen können einfach nicht mehr mit, weil sie die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit an Diensttauglichen eigentlich schon überschritten haben.
(Schluß folgt)
Ödland und Landeskultur im Herzogtum Oldenburg
von G. Gramberg
>ie von der Statistik als Ödland verzeichneten Moor- und Heideflächen*) des Herzogtums Oldenburg machen immer noch annähernd 2000 Quadratkilometer, das ist etwa zwei Fünftel seiner Gesamtflüche aus, davon etwa 70000 bis 80000 Hektar un- I kultiviertes Moor und etwa 100000 bis 120000 Hektar unkultivierte Heide und davon ferner vielleicht 20000 Hektar Moor und etwa 1700 Hektar Heide im Eigentum des Staats.
Es wird begreiflich sein, daß diese Ödländereien von jeher, und erst recht in neuerer Zeit, wo sogenannte innere und äußere Kolonisation zu den Tagesfragen gehören, auf den Volkswirtschafter wie auf den Verwaltungsbeamten, aber auch auf weitere Kreise einen großen Reiz ausüben. Woher stammen sie? Weshalb werden sie nicht in Kultur genommen? Wieviel Frucht könnte darauf wachsen? Wieviel Menschen könnten darauf wohnen? Wie fängt man es an, sie für das gemeine Beste nutzbringend zu machen? Solche und ähnliche Fragen drängen sich auf, man hat sie sich schon von jeher vorgelegt, und es fehlt nicht an mancherlei Versuchen, darauf Antwort zu geben.
Über diese Versuche und ihre Ergebnisse sollen die folgenden Blätter eine kurze Übersicht geben.
Um den geschichtlichen Ursprung unsrer Moor- und Heidemarien kennen zu lernen, muß man in die fernen Zeiten zurückgreifen, wo die germanischen Volksstämme diese Gegend besiedelten und hernach ihre neue Heimat gegen den römischen Einbrecher verteidigten. Freilich liegt bei der Dürftigkeit der Quellen ein schwer zu hebender Schleier über den geschichtlichen und den wirtschaftspolitischen Verhältnissen der ältesten Zeit, und es ist begreiflich, daß die spärlichen sichtbaren Zeugnisse uralter Vergangenheit, die wir haben, die Heidenwälle, die Landwehren, die Hünengräber, die Bohlwege usw., in unsern Heiden und Mooren die Phantasie des von Heimatliebe beseelten Beschauers lebhaft anregen und
Vergl. Grenzboten, 61. Jahrg., 1902, Nr. 44.