Die Dramen Gabriele D'Annunzios
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>in neues Drama von D'Annunzio! Nach längerm Schweigen, das nur durch einen Band formvollendeter Poesien unterbrochen worden ist, beschenkt der gefeierte Italiener seine Landsleute und den weit großem Kreis seiner internationalen Verehrer mit einer ! neuen Tragödie. Zwar ist es nicht die von der italienischen Presse seit langem angekündigte Fortsetzung des Malatestacyklus; der blutbefleckte Schatten Sigismondos und die bleiche Gestalt Parisinas konnten sich noch nicht in D'Annunzios schöpferischer Phantasie zu lebensvollem Wieder- erstehn durchringen. I^a kiAla 61 lorio ist eine Hirtentragödie, worin uns der Verfasser in die archaischen Verhältnisse eines entlegnen Abruzzendorfes führt. Die Zeit ist nicht genau bezeichnet, doch deuten die wilden Sitten und die Altcrtümlichkeit einzelner Sprachwendungen auf eine Periode hin, die um viele Jahrhunderte zurückliegt.
Der deutsche Journalismus ist viel zu feinfühlig für das Interesse des großen Publikums, als daß er nicht sofort über ein neues Werk des vor zwei Jahren so vielgelesenen und vielgeschmcihtcn Autors berichtete. Ein so erbitterter Federkrieg wie damals wird es nun zwar nicht werden, denn das Urteil über D'Annunzio hat sich inzwischen geklärt, und die neue Tragödie bietet auch nicht so viel Angriffspunkte wie der Roman II Movo mit seiner naiven, an Größenwahn grenzenden Selbstbespieglung. Ein Rückblick aus das ungestüme Hinundherwogen der widersprechendsten Meinungen wirkt jetzt eher erheiternd. „Flaubert hat nie gelebt für diesen Barbaren mit (!) der letzten Kultur," bemerkte damals der Erfinder des moderner Lapidarstils mehr „schneidig" als klar; wogegen eine sehr belesene „Lady Doktor" den Dichter als Schüler Flauberts kennzeichnete. Andre Rezensenten ließen an D'Annunzio und seiner Kunst überhaupt kein gutes Haar. Kraftworte wie „Seichtheit des Charakters," „schwacher Geist," „flache Seele," „langfingeriger Genius," „ästhetischer Handwerksbetrieb" sind noch Kosenamen in dem üppigen Wortschatz der D'Annunzio feindlichen Kritik.
Gerade diese Widersprüche bei seinen Beurteilern, die auch im Vaterlande des Dichters jedes einzelne neue Werk begleiten, sind der Maßstab für D'Annunzios Bedeutung. Seine Schöpferkraft wurzelt in der Volksseele der italischen Stämme. Er ist ein exklusiver Romane, der trotz der ihm so häufig vorgeworfnen Entlehnung seiner Vorbilder aus den Dichtungen andrer Nationen keinen fremden Bestandteil iu seine Werke aufnehmen kann, ohne ihn in charakteristischer Weise