Jahrgang 
10. Band (1878)
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II.

Bremen und die Synode zu Dordrecht.

Von J. Fr. Iken.

Es ist wohl Jedem, der sich mit Bremen's früherer Geschichte bekannt gemacht, eine geläufige Thatsache, dass an der grossen Kirchen Versammlung, welche die Niederlande zu Anfang des 17. Jahrhunderts in Dordrecht veranstalteten und welche eine weit über die Niederlande hinausgehende Bedeutung gewann, auch von hiesiger Seite thcilgenommen worden ist. Weniger bekannt aber dürfte sein, in welcher Weise sich diese ThciInahme Bremen's geltend gemacht, und was für Folgen daraus für die innere und äussere Entwicklung unserer Stadt hervorgegangen sind. In ersterer Hinsicht könnte man der Meinung sein, dass in einer Versammlung, zu der sich Abgeordnete fast aller reformirten Länder einfanden und die darum als eine internationale Repräsen­tation der gesammten reformirten Kirche jener Zeit erschien, die Vertreter einer kleinen Stadt wie Bremen verschwinden mussten, und das um so mehr als auf der Synode die strengen Anschau­ungen Calvins über die weitherzigeren Gedanken der Arminianer den Sieg errangen, während Bremen allezeit eine mildere Lehr- auffassung begünstigte. Und doch war es ganz anders. Es ist Thatsache, dass grade die Vertreter Bremens in Dordrecht zu den ersten Wortführern gehört und auf die Beschlüsse daselbst den wesentlichsten Einfluss ausgeübt haben. Freilich geschah das nur durch eine kräftige Opposition, welche sie der extremsten