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III. Togo. I>. Schlafkrankheitsbekämpfung in Togo.
Scliultergräte reichte. Der linke Ringfinger war schräg durchgeschlagen. Ans der Unterseite des linken Unterarmes war ein handgroßer Haut- Muskellappen völlig herausgeschlagen, so daß die (z. T. zerfetzten) Sehnen bloß lagen. Uber Kopf und Nacken lief hinter dem rechten Ohr eine 14 cm lange Lappenwunde, die das Periost in entsprechender Ausdehnung abgeschält und den Knochen angeschlagen hatte. Eine kräftige Prim saß auf Mittelkopf. Endlich hatten zwei gewaltige Hiebe, die sich im Winkel trafen, die Schädeldecke durchgeschlagen. Die Frau war fast ausgeblutet und stark verschmutzt. Nach Naht der Schnlterwnnden und Anlegung von Notverbänden schickte der Lagerarzt die Frau mir zu. Die notwendige Trepanation war erleichtert, indem durch die letzt erwähnten Hiebe ein etwa gleichseitiges Dreieck von etwa 6 cm Seitenlänge herausgeschlagen war. so daß es sich leicht aufklappcn ließ. Es hatte eben noch eine etwa eßlöffelgroße Menge von zerquetschter, durchbluteter und verschmutzter (!) Hirnmasse zurückgehalten. Der Schädel war in weiter Ausdehnung — wie weit ließ sich nicht feststellen — gesprungen. Was von Hirnmasse über das Dura-Niveau hervorragte, wurde abgetragen. Für das vorläufige Offenbleiben der Trepanationsklappe wurde durch einige darunter gelegte Gazelagen gesorgt. Die ganze Operation fand unter Rericselung mit 40° C. warmer, steriler Kochsalzlösung von 0,9 % statt, die übrigen Wunden wurden offen und steril behandelt. Nach einigen Tagen mußte wiederum eine halbwalnußgroße prolabiertc Ilirn- masse abgetragen werden. Die entfernten Ilirnmassen entsprachen dem Gyrus postcentralis und parietalis inferior der linken Seite. Die Frau war einige Tage schlafsüchtig und schwer benommen. Es bestand mittleres Fieber. Prophylaktisch wurde Chinin eingespritzt, außerdem subkutan Kollargol. Die Sprache zeigte sich gestört so weit, daß sie auch den Angehörigen zunächst völlig unverständlich war. Nach einer Woche etwa machte sich schlaffe Lähmung der oberen und unteren Extremität der rechten Seite geltend; die Kranke war äußerst elend. — Ohne nun hier die Geschichte des weiteren Verlaufs zu geben, sei kurz gesagt, daß die Frau sechs Wochen später mit knöchern geschlossenem Schädel in vortrefflichem Ernährungszustände, bei bestem Humor und recht gesprächig die ersten Gehversuche machte.
D. Schlafkrankheitsbekämpfung in Togo.
I. Allgemeines und die Tätigkeit der Reiseärzte.
(Berichterstatter: Oberstabsarzt und Regierungsarzt Dr. M. Zupitza.)
Im Berichtsjahr betrug die Zahl der mit der Schlafkrankheitsbekämpfung beauftragten Ärzte, wie bisher drei, auch war die Arbeitsteilung unter ihnen die gleiche geblieben. Dr. v o n d e r Hellen trat zu Anfang des Berichtsjahres einen Heimatsurlaub an, währenddessen er zunächst von Regierungsarzt Dr. G ü n t h e r , sodann von Stabsarzt Dr. S k r o d z k i vertreten wurde.
Mannigfache Abhaltungen verschiedenster Art hatten zur Folge, daß während des ganzen Berichtsjahres beide Reiseärzte zusammen