Achtzehnter Jahrgang Viertes Quartal.
Der
L e r ^ M r e
eine
Wochenschrift.
Bremen, Wonnerslsg ven 28 . Modemver 183 3.
^M3u der Liebe geht der Trug fast immer noch weiter als das Mißtrauen.
M Larochesourauld.
Der Selbstmord.
In's Nebenzimmer, von des Tanzes Mühen Zu ruh'n, floh eine schöne Frau. Allein Ein junger Lie: --ant stürzet hinterdrein Und tragt sein Herz ihr an auf beiden Knien.
„Sie, Holdeste, Sie muffen mich erhören!
Sie müssen mein seyn — mein, um jeden Preis! Wie ich Sie liebe — ewig, glühend heiß —
Liebt Keiner Sie! ich kann's, ich will's beschwören!"
Sie aber bleibt so hart wie Stein bei Allen,
Was er beschwor. — „Wie? — und Sie zweifeln wohl?"
— Hier zog er aus der Lasche ein Pistol — „Wohlan, so will ich todt zu Ihren Füßen fallen!"
„„Nur nicht so nah! ich bitte sehr! denn heut« Trag' ich dieß weiße Kleid zum ersten Mal.
Ihr Blut — mein Gott, was spräche man im Saal? —
Ihr Blut verdürbe ja die rein« Seide!""
Sie ging; er aber stürzt noch eine Flasche Champagner um. Sein Muth flammt mehr und mehr.
Ha, jetzt betrachtet er das Mordgewehr!
Und — steckt es langsam wieder in die Tasche- —
Sie tanzte. Bald wird ihr der Saal zu enge: „Der arme junge Mann! — LLie? — wenn er doch?" —
Sie dcokt'S nicht aus — eilt — hofft, sie findet noch Ihn lebend wieder in der bunten Menge.
Umsonst! — Nun steigt die Angst. Vom L'hombrer Spiele
Zieht sie den General, klagt ihm ihr Leid: .
„Ach retten Sie! Vielleicht ist's jetzt noch Zeit — Vielleicht liegt er schon blutend auf der Diele." —