Dreizehnter Jahrgang, Zweites Äuartal.
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Wochenschrift.
Wremen, Donnerstag ven 12. Juni 1 8 2 8 .
Auch für den Blinden wird es tagen, Schön — wie's die Phantasie ihm malt, Er wird die ersten Blicke wagen Wo aller Augen Auge strahlt. D.
Des Blinden
Die Welt mit ihren tausend Wonnen Erblick' ich Armer nicht,
Die goldncn Sterne und die Sonnen Ach! blinken mir kein Licht.
Und dennoch ist mein stilles Leben Mir keine Nacht voll Grau'n;
Auch mir ist ja der Trost gegeben In jener Welt zu schaun.
Mich freuet nicht des Frühlings Blühen,
Richt bunte Blumenflur;
Doch auch der wilden Blitze Sprühen Verglüht mir ohne Spur.
Ich sehe nie in dunklen Zweigen Der Rosen vollen Kranz,
Und nie, wenn sich die Tage neigen,
Der Abendröthe Glanz;
eid und Freud'.
Doch ich erblick' auch nie die Wangen,
Die bitt'rer Kummer bleicht,
Seh's nicht, wenn unter Schmerz und Bangen Der Tod die Fackel neigt.
Zwar strahlet niemals mir entgegen Der Mutter Liebesblick,
Den Bater seh' ich nicht, der Segen Für mich erfleht und Glück;
Doch wenn des Mißgeschickes Schwere Auf ihren Schultern ruht.
Fließt unbemerkt vor mir die Jahre,
Des Schmerzes bittre Fluth.
Ich seh' es nicht, wenn das Erbarmen Mir seine Gaben reicht ,
Nicht, wenn das Mitleid mit mir Armen Das zarte Herz erweicht;