Jahrgang 
1816
Seite
814
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Madrid zu verlassen, was gerade Bonaparte als für ihn höchst wichtig wünschte.

Ferdinand verließ alss am 10. April die Hauptstadt, begleitet von dem verschlagenen Sa- vary, welcher um die Ehre bat, den jungen Mo­narchen begleiten zu dürfen, eigentlich aber nur ihm nahe seyn wollte, um erforderlichen Falls entschieden zu handeln. Er gab vor, man werd« nur bis Burgos zu reisen brauchen, wo Napo­leon um die Zeit eintreffen werde; da man ihn aber nicht in Burgos fand, überredete er ihn bis Vittoria zu gehen. Zu Burgos war Don Pedro Cavallos der Einzige, welcher ihm zurück zu gehen rieth; auch das Volk versuchte alles, ihn abzuhalten. Alles war aber umsonst. Der unglückliche und betrogene Ferdinand reiste wei­ter. In Viktoria wurde ihm gemeldet, Bona­parte sey in Bordeaux angekommen und auf dem Wege nach Bayonne. Als aber Savary' merk­te, daß Ferdinand schwerlich weiter gehen möch­te, ging er selbst nach Bayonne und brachte ein Schreiben von Napoleon mit, welches den Kö­nig bestimmte, sich von seinem Volke zu tren­nen, ob es gleich an sich Verdacht genug erre­gen mußte. Indeß hatte Savary sich gegen seinen Kaiser verbürgt, wenn sich Ferdinand weigere, ihn mit Gewalt nach Bayonne zu führen,

(Die Fortsetzung folgt.)

Beschreibung des Aetna.

Von Somerset.

(Aus dem Englischen.)

Man schätzt den großen Kegel des Aetna in der Peripherie auf beynahe 120 englische Mei­len. Den untern Theil bildet die erste Region, gesegnet mit ausnehmender Fruchtbarkeit, über­säet mit vielen Dörfern und Städten, welche

dieselbe zu dem angenehmsten und lieblichsten Aufenthalt der Erde machen. Der miniere ist die Waldregion, mit Gehölz bcdeckr; und den obern Theil macht die wüste -Region aus, wo keine Pflanze mehr gedeiht und kein Thier mehr athmet. Ein wagrechter Schnitt deS Kegels bildet die Kuppe, in deren Mitte der kleine Ke­gel sich erhebt, welcher den Krater enthält, an mehreren Stellen zerstört durch das Alles ver­zehrende Element und wieder erneuert durch die dort angehäuften Lavamassen. Die obere Re, gion ist selbst im Sommer mit Schnee und Eis bedeckt; nur die Schlünde, wo der Rauch und die Flamme empor steigen, sind frei davon. Die Alten glaubten, hier lebe Eis und Feuer zusammen in friedlicher Verträglichkeit und er­zählten in ihren Schriften von wunderbaren Na­turerscheinungen, welche sie sich ganz natürlich hatten erklären können, hatten sie den Gipfel erstiegen und sich die Mühe gegeben, selbst der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Verein­zelt und frei von allen Seiten und in unermeß­licher Höhe in das blaue Himmelsgewölbe em­porsteigend, mitten in einem reinen heitern Dunst­kreis bietet die Kups>e des Aetna das prächtigst» Schauspie! dar, welches dir Natur jemals den wißbegierigen und denkenden Menschen verschaffte. Wenn die Schifffahrc neue »ander und neuo Wel­ten entdeckt; wenn mit Hülfe der Fernröhre neue Körper erspäht werden in der Unendlichkeit beS Raums und unsere Seele mit neuen Begriffen und Kenntnisse» bereichern zur Betrachtung der Natur; so sind auf der andern Seite dem Geiste solche große Ansichten nicht minder nützlich und anziehend, welche eine unendliche Mannichfaltiz- keit der verschiedenartigsten Dinge in einen Ge­sichtspunkt sammelt und uns, obgleich in weiter Ferne, die Unendlichkeit der Welt ahnden läßt. Da, wo schwere Dünste den Körper nicht belä-