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Militärische Briefe über den Krieg in Schleswig.
i.
14. März 1864.
Die neuesten kriegerischen Ereignisse in Schleswig liegen uns noch so nahe und die Nachrickten darüber sind so unvollständig, daß es unmöglich ist. schon ein nach allen Seiten sicher begründetes Urtheil darüber zu fällen. Wollen wir diese Ereignisse aber besprechen, so müssen wir uns begnügen den Gesammtcindruck mitzutheilen, den wir bis jetzt davon empfangen haben. — In kurzen Worten ist dies folgender:
1) Die dänische Armee hat eine gute obere Leitung, aber die Truppen entbehren der innern Festigkeit.
2) Eine Leitung der alliirten Armee hat eigentlich nicht stattgefunden.
3) Die Ocstreicher erweisen sich als eine sehr kriegstüchtige und energische Truppe. Sie haben vieles von der Fechtart der Franzosen angenommen.
4) Die Preußen zeigen eine vorzügliche Bewaffnung und sehr gründliche Ausbildung des einzelnen Mannes.
Die Motivirung dieser Aussprüche ist, wie gesagt, schwierig, da die vorhandenen Nachrichten nicht erschöpfend sind. Das Urtheil ist mehr ein Ausdruck der Empfindung als abschließender Erfahrungen. Wir wollen aber so viel positive Daten als Beleg geben, wie eben vorhanden sind.
1) Die Dänen haben durch ihre Kriegführung erreicht, was dem bedeutenden Uebergewicht ihrer Feinde gegenüber irgend erwartet werden konnte. Trotzdem sie in allen Gefechten viele Gefangene verloren und niemals den Sieg auf ihrer Seite gehabt haben, beherrschen sie heute noch die Situation. Der dänische Obergeneral verließ durchaus rechtzeitig die für seine Truppen und seine Truppenstärke viel zu ausgedehnte Dannewcrkstcllung. Mit 40,000 Mann kann man nicht mit Erfolg eine Ausdehnung von zehn Meilen, von der Eider- bis zur Schleimündung gegen eine Uebcrmacht vertheidigen. Einer so langen Front gegenüber ist selbst die Minderzahl im Vortheil, da sie alle ihre Kräfte auf einen Punkt concentriren kann. Für die Beschaffenheit der Truppen war die Stellung zu ausgedehnt, weil sie nicht durchgängig zuverlässig waren, und weil selbst die ganz treuen Bataillone erst neu formirt und so wenig ausgebildet waren, daß man bc! Dctachirungen und bei Besatzungen einzelner Punkte kein Vertrauen aus ihre Ausdauer haben konnte. Dergleichen Truppen müssen stets zusammen in der Hand des obersten Führers behalten werden. Es ist eine alte Kriegserfahrung, daß man mit sogenannten Volksheeren, zu welchen das dänische vermöge seiner im Ganzen sechsmonatlichen Dienstzeit, vermöge seiner Completirung der Unteroffiziere und Subalternofsizicre aus allen möglichen subalternen Civilverhältnissen und vermöge seines enormen Unterschieds zwischen Kriegs- und