Heidelb. d. 20. Juni. 1805.
Liebe liebe Doris, die frohe Bothschaft deines Focke hat uns
einen herrlichen Festtag bereitet. Wer dich hier gesehen, mußte
sich mit uns freuen. Miegs waren am Nachmittag mit Daubs
und Maurers zum Thee bei uns. O wie sie alle so warmen Antheil
nahmen! Wüßt ich nun nur wie es jetzt mit dir und dem kleinen
steht! Wie schmerzlich ist die große Ferne! Sage doch der Meta
daß sie bald und oft schreiben möchte, und wenn es auch nur we-
nige Zeilen sind. Meta ist doch bei dir? Vor allen Dingen
liebste Doris, siehe dich vor das du dich nicht zu frühe heraus machst,
damit deine Freude dir nicht getrübt werde, wie es in diesen Tagen
der armen Brentano /S. Merau/ ergangen. Sie hatte eine sehr
leichte glückliche Niederkunft, fühlte sich gleich am ersten Tage so
wohl als ob ihr nichts wiederfahren sei. Auch versuchte sie ihr Kindlein
selbst zu stillen. Sie wagte sich aber frühe in den Garten, und nahm
auch die Kleine frühe hinaus. Aber wie ging es? Sie bekam eine böse
Brust, die Kleine befiel mit dem Scharlach, und [ehegestern] hat die arme
arme Mutter ihre Freuden und Hofnungen dem Grabe übergeben. --- Dies