Heidelberg . d. 17. Merz . 1804.
Erſt heute kan̄ ich zur Beantwortung des inhaltreichen Briefes kom̄en,
den ich heut vor 8 Tagen erhielt, worinn meine geliebte Doris mir
ſagt, daß der wichtigſte Schritt ihres Lebens gethan ſei. - O liebe
liebe Doris, mögſt du dich nicht getäuſcht, mögeſt du durchaus
glücklich gewählt haben! Urtheilen kan̄ ich nicht, da ich den Man̄
nur aus dem Gemälde der Phanthaſie meiner jugendlichen Freundin kenne
u. ſonſt nichts von ihm weiß - mir bleibt nichts übrig als - die
heißeſten Segenswünſche für das Glück eines Herzens das mir ſo
theuer iſt. - - Wie ſchmerzlich wehe thut auch mir die große Ent-
fernung! Wie viel wär uns ein Tag, ja eine Stunde des Beiſam̄en-
ſeins! - - - - - Nur einmal wollt' ich dich an das Herz voll ſorgen
der Liebe drükken, wollte dich mit prüfendem Ernſt fragen: ”biſt
du ganz glücklich? ganz ruhig? ganz heiter? - u. wenn dann aus
dem Heiligthum deines Herzens ein from̄es ja! hervorbräche u.
deine Augen von reiner Wahrheit glänzten, dann müſſt' es
wenig noch ſeliger Momente geben, als den zwiſchen dir u. mir.
O warum liegt jetzt ein ſolcher Raum zwiſchen uns! - - aber
ſchreib nur bald wieder, und mache mich durch jeden deiner Briefe
gewiſſer, daß du glücklich ſeiſt.
Dann ſage mir auch, ob dein Vater dem Dr. B. geantwortet? u.
ob B. es weiß, daß du verſprochen biſt? - - ----- So weit
Mehrteiliges Werk
Brief von Caroline Christiane Louise Rudolphi an Dorothea Focke, 17.03.1804
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transkribiert von Bilkau, Laura, Tynkewitsch, Kristina