Mehrteiliges Werk 
Brief von Caroline Christiane Louise Rudolphi an Dorothea Focke,
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Ham. d. 15. Febr. 1803.

Liebe Doris,
dein Brief vom 4. Febr. war ganz was ich in dieser
Lage von dir erwartete. - - - Unglücklich macht uns
nur das Leiden, welches uns aller Thatkraft raubt,
welches so hart und so schwer auf uns lastet, daß
sie darunter erliegen muß. Wer noch wirken
kann, ist nicht unglücklich. Daß das Schicksal selbst
dir diese große Lehre so frühe einprägt, ist wohl
gut. - - - Aber wie geht es seitdem deiner
kranken Freundin? wie ihrem Kinde? Ist ihr Zu-
stand gefährlich? Ist dein Vater ihr Arzt? O der
gute Vater! wie muß sein Herz gelitten haben, daß
er den Bruder nicht retten konte [sic]! Welch eine Auf-
gabe, Arzt zu sein, und ein so junges u. so gelieb-
tes Leben nicht erhalten zu können! Ich habe
seine Wunde durch die Aeußerung meiner theilnahme
nicht aufreißen mögen. - - - Aber sage ihm, ich
könne den Verlust mit empfinden: ich habe den einzigen
letzten Bruder verloren. - - - Grüße ihn wenn

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