M
so artig wäre, auch so zu denken! Und dabei will es uns fast bedünken, als sei sogar dieser „abgenützte" Palmerston, von dem deutsche Korrespondenten gar nicht mehr sprechen, weil er die Welt nicht mit Unmöglichkeiten überrascht, heimlich recht arg gegen unsre Ruhe und Bequemlichkeit verschworen und sei mit seinem Freunde über dem Kanäle um gar nichts verlegen, als um das beste Mittel, wie unser stoischer Gleichmuth aus dem Gleichgewichte zu verrücken sei. Möglich, daß er von der Gewalt der Umstände und Ereignisse, die drohend genug geworden, überholt wird; man vergesse aber immerhin nicht, daß dann vielleicht nur aufgeht, was er gesäet und vor allem, daß das Gleichgewicht der Kraft nicht in der Unkraft, sondern eben wieder nur in der Kraft liegt. Hätte man recht, daß seine Schwäche seinen Sturz vorbereite, so sei man wenigstens consequent, nicht blos ihm, sondern auch sich selbst den Spiegel vorzuhalten!
Korrespondenzen.
Aus Konstantinopel. 14. Juni. Wir haben hier seit der Wegnahme des Mamelon keine Nachricht über einen nenen großen Offcnsivschlag gegen die Festung erhalten, aber der energische Charakter des Generals Pclissier, über den man hier sehr zur Unzeit bemerkt, daß seine Operationsmcthode viele Menschen koste—-denn wenn man nun einmal Sebastovol durch den directen Angriff nehmen will, sind solche Opfer nicht zn vermeiden — bürgt uns dafür, daß er nicht mcbr lange werde auf sich warten lassen. Am wahrscheinlichsten ist es, daß die nächste Unternehmung der Wegnahme des Malakowthurmes gelten wird.
In den ncncsten hier eingegangenen deutschen Blättern lese ich mit Befremden, daß man geneigt ist, die russische Armee in der Krim als wesentlich ans der Besatzung von Sebastovol bestehend anzunehmen, eine Annahme, die dnrchans weder mit den Aussagen der vom Feinde hcrübergckommcnen Uebcrlänfer, noch mit den sonstigen Erkundigungen, die man dnrch Tartarcn eingezogen hat, zn vereinbaren ist. Es bestätigt sich vielmehr die frühere Schätzung, wonach die Nüssen in Tannen etwa über 140,000 Mann zu verfügen haben. Es ist dies der nämliche Bestand, den die feindliche Armee bereits um Weihnachten erreicht hatte, und alle Anstrengungen des Zaren sind seitdem nur ausreichend gewesen, sie ans ihrem Etat zu erhalten; denn die Bchauvtuug ist durchaus falsch, daß die Russen im Laufe des Winters und Frühjahrs weniger wie die Verbündeten dnrch Krankheiten gelitten haben. Sie verloren, nach Nachrichten, über welche hier verlautet, von denen ich aber nur vermuthe, daß sie ans Mittheilungen beruhen, welche von Gefangenen gemacht wurden, ihre Truppen massenweise nicht allein durch Cholera, sondern be-