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Die Kunst, das Handwerk und der Luxus.
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Befestigung derselben, von der äußerlich keine Rechenschaft gegeben wird, kann keine künstlerische Befriedigung erwecken. Das Lebensvolle und Ansprechende solcher Bildung besteht eben darin, daß sie uns zum augenblicklichen Gebrauch durch den Anschein einladen, als hätten sie sich ebenso für uns zusammenge­fügt, als daure die Anstrengung, sei es nun der Willenskraft, der organischen Thätigkeit oder der Federkraft, noch fort, die ihrer Gestaltung die für unsre Bedürfnisse entsprechendste Form geben.

Diese geistreiche Auseinandersetzung, von der wir natürlich nur die allge­meinsten Umrisse wiedergeben konnten, zeigt uns bereits, welchen Zweck der Verfasser mit seinen Vorbildern verbindet. Wenn er sie meistens aus dem Alterthume nimmt, weil in diesem der freie Kunsttrieb sich am regsten entwickelte, so will er damit nicht Muster sür eine sklavische Nachbildung geben, sondern er will durch die darin nachgewiesene Methode den modernen Handwerker und Industriellen besähigen, selbstständig und frei künstlerisch zu produciren, wie es die Griechen gethan haben.

Auch bei diesem Werk verdient die Ausstattung großen Beifall, was um- somehr hervorzuheben ist, da der Preis verhältnißmäßig sehr billig ist. Das Werk erscheint in acht Lieferungen, jede Lieferung zu sechs Blättern und zu einem Subscriptionspreis von ZV-« Thaler. Wir wünschen also beiden Werken eine möglichst weite Verbreitung, damit auch in dieser Beziehung der gute Geschmack sich zuerst bei den Handwerkern oder Künstlern und dann durch Vermittlung derselben bei dem gesammten Volk ausbreite.

Zur Shakespenreliteratnr.

Der Pcrkins-Shakesveare. Dargestellt von Tycho Mvmmsc». Berlin, G. Reimer.

Es sind erst ein paar Jahre her, daß der neue Fund handschriftlicher Ver­besserungen zu Shakespeare, den Collier machte, nicht blos in England, sondern auch in Deutschland alle Freunde Shakespeares in Bewegung setzte. Im An­fang war der Enthusiasmus groß, man glaubte jetzt endlich den solange schmerzhaft vermißten echten Text des großen Dichters vor sich zu haben; erst allmälig regte sich der Widerspruch, dann aber auch um so lauter und ent> schiedener und die Fehde wurde von beiden Seiten mit so großer Lebhaftigkeit geführt, daß im gegenwärtigen Augenblick, man kann es nicht leugnen, das Publicum im höchsten Grade abgespannt ist , und nur mit Mühe wieder zu einiger Aufmerksamkeit gebracht werden kann, wo alle kritischen Autoritäten sich